25Aug/15

#ZukunftderPflege – Pflegefachkräftemangel – quo vadis?

Pflegepersonal„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…“ – der berühmte Vers von Heinrich Heine, könnte heutzutage wunderbar aus dem Mund eines Managers einer Pflegeeinrichtung stammen. Deutschland fehlen nicht nur regional Ärzte, sondern flächendeckend auch Pflegekräfte.

Das wird so manchem Leiter von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern schon schlaflose Nächte bereitet haben. Obwohl man immer häufiger bereits EU-weit sucht, finden Arbeitgeber immer seltener ausreichend Pflegekräfte für ihre Einrichtungen. Verzweifelt gehen Arbeitgeber ungewöhnliche und sehr weite Wege, um qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Woran liegt dieser Mangel und was müsste getan werden, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden?

Die Zahl Pflegebedürftiger steigt

Aufgrund des demographischen Wandels ist mit einer stetigen Zunahme an Pflegebedürftigen zu rechnen. Laut Bundesministerium für Gesundheit leben heute rund 2,54 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland (Stand: 2012). Die Prognose des Ministeriums zeigt einen deutlichen Anstieg: Auf Basis einer dauerhaft konstanten altersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeit würde die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung auf 3,22 Millionen im Jahr 2030 bzw. 4,23 Millionen im Jahr 2050 an steigen (siehe bmg.bund.de; Thema Pflegefachkräftemangel). Dies ist nur eine von zahlreichen Prognosen, die deutlich machen, dass der Gesundheitssektor großen Herausforderungen gegenüber steht.

Der Arbeitsmarkt im Bereich Pflege unter Druck

Im Mai 2014 registrierte die Bundesagentur für Arbeit im Bereich Gesundheits- und Krankenpfleger über 20 Prozent mehr offene Stellen als Bewerber zur Verfügung standen. Bei Altenpflegern waren es sogar ca. 40 Prozent. Auch auf Jobbörsen finden sich viele offene Stellenanzeigen für Pflegekräfte. Ein düsteres Bild zeichnet sich ab. Für die Zukunft malt das Wirtschaftsinstitut Prognos AG in seiner Studie “Pflegelandschaft 2030” noch dunklere Wolken an den Himmel des deutschen Arbeitsmarktes. Man befürchte gesamtwirtschaftliche Auswirkungen spätestens dann, wenn sich vorhandene Fachkräfte anderer Branchen verstärkt gezwungen sehen, ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst zu pflegen.

Wo soll die Reise hingehen?

Aspekte in der PflegeDie Bundesregierung versucht sich den Realitäten zu stellen. Auf ihrer Website schreibt sie: „Bereits Ende des Jahres 2012 hat die Bundesregierung mit den Bundesländern vereinbart, dass die Zahl der Ausbildungsplätze im Bereich der Altenpflege bis 2015 deutlich erhöht wird. Der Altenpflegeberuf soll attraktiver, die Möglichkeiten von Fortbildungen und Umschulungen verbessert und erleichtert werden. Damit sollen bis zu 4.000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfer für eine weitere Qualifizierung gewonnen werden. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt die Umschulung zur Altenpflegefachkraft durch die Finanzierung auch des dritten Umschulungsjahres.“ Doch wirken diese Maßnahmen? Aus unserer Sicht können wir bislang keine Verbesserungen feststellen.

Die Suche im Ausland – ist das die Lösung?

Schon länger versuchte die Agentur für Arbeit, Pflegekräfte im europäischen Ausland zu finden – schließlich herrscht in einigen europäischen Ländern eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Da müsste doch eine Pflegestelle in Deutschland wie gerufen kommen. Dieser Versuch scheiterte bislang. Mit der Anwerbung von Fachkräften im Ausland tun sich die hiesigen Unternehmen der Branche schwer. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, die im Juni dieses Jahres veröffentlicht wurde. Aus der Studie geht hervor, dass drei von vier Pflegebetrieben mit freien Stellen zwar die Besetzung der Stellen als schwierig bezeichnen, aber nur 16 Prozent auf Rekrutierung im Ausland setzen. Wie kann das sein?

Deutschland steht im internationalen Wettbewerb mit vielen Nationen. Pfleger Marek, Schwester Giovanna und Altenpflegerin Dimitra würden die Großmutter gerne pflegen und der weit gereisten Schwester Ling Shu zukünftig Gesellschaft leisten. Deutschland bleibt jedoch weiterhin wenig anziehend für qualifizierte ausländische Arbeitnehmer. Damit das kein Dauerzustand bleibt und das Anwerben von Pflegekräften aus dem Ausland flächendeckend und umfangreich funktionieren kann, müsste es in Deutschland jedoch zunächst zu grundsätzlichen Veränderungen kommen.

Dazu gehört zum Beispiel der Abbau des Bürokratieaufwands für ausländische Bewerber. Auch unflexible Tests zur Feststellung der Sprachkenntnisse sowie Probleme bei der Anerkennung der Qualifikationen in Deutschland machen Pflegeberufe für Ausländer in Deutschland weiterhin nicht attraktiv. Das bestätigt auch die aktuelle Bertelsmann-Studie. Der Großteil der befragten Pflegeeinrichtungen (600 wurden befragt), berichten von diesen Hürden und Schwierigkeiten. Somit sehen bislang viele Personalchefs die Lösung in einem anderen Weg, um ihre Personaldecke zu flicken: Mitarbeiter sollen weitergebildet, das Betriebsklima verbessert und der Krankenstand gesenkt werden. Viele Unternehmen wollen auch mehr ausbilden und die Option, Mitarbeiter von der Konkurrenz abzuwerben, ist für die Unternehmer noch attraktiver als im Ausland zu suchen. Doch wie lange wird das noch gut gehen?

Das Image des Pflegers: Ist Helfen out?

Altenpflege zu HauseOffensichtlich ist aber auch der Pflegeberuf selbst nicht attraktiv genug, um für junge Menschen aus Deutschland und auch Quereinsteiger aus anderen Berufszweigen als Alternative in Frage zu kommen. Pflegeberufe sind und waren in Bezug auf Bezahlung und Arbeitsbedingungen lange Zeit echte Stiefkinder. Tätigkeiten examinierter Pflegekräfte wurden nicht selten auf Zivildienstleistende und Praktikanten abgewälzt. Eine wohlhabende Gesellschaft wie die deutsche muss jedoch vielmehr anerkennen, dass qualifizierte Pflege durch motivierte Arbeitnehmer ihren Preis hat – spätestens wenn unsere Generation selbst gepflegt werden muss, wird man sich an die Versäumnisse von heute erinnern.

Gedanken von Joachim Stegger, Mitgründer von HealthCare United zur Zukunft der Pflege in Deutschland.

Über Joachim Stegger: Er ist Gründer und Entrepreneur von erfolgreichen Internet-Startups und hat 2014 zusammen mit Prof. Dr. med. Claus Bartels das medizinische Stellenportal www.healthcare-united.de ins Leben gerufen.

14Aug/15

Reform in der Pflege: ab 2017 deutlich mehr Leistungen

PflegereformDiese Woche stimmte das Kabinett der zweiten Stufe der Pflegereform zu, in deren Rahmen die Leistungen ab dem Jahr 2017 deutlich ausgeweitet werden sollen. Darüber hinaus wird auch das existierende System der Pflegestufen überarbeitet und umstrukturiert werden. Nach aktuellen Schätzungen sollen rund eine halbe Millionen Menschen zusätzlich von der Reform profitieren.

Vor allem für Demenzerkrankte wird sich mit der neuen Pflegereform wohl einiges ändern; ihnen werden zum ersten Mal die gleichen Leistungen zustehen wie Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung. Wurde die Pflegebedürftigkeit bisher nämlich überwiegend an der körperlichen Fitness gemessen (was in vielen Fällen zum Ausschluss von Leistungen führte), werden ab 2017 nun auch psychische Faktoren und kognitive Fähigkeiten stärker bei der Bewertung berücksichtigt. Nach Angaben der ARD würden die neuen Kriterien die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland voraussichtlich von 2,7 auf ca. 3,2 Millionen Menschen erhöhen.

Zusätzlich gilt, dass die neue Reform bei keinem der bisherigen Leistungsempfänger zu einer Verschlechterung führen wird. Der sogenannte Bestandsschutz soll gewährleisten, dass Pflegebedürftige, die bereits Leistungen beziehen, zukünftig keine Nachteile erfahren. So dürfen Personen, die sich neu begutachten lassen, auf keinen Fall in eine schlechtere Pflegestufe eingestuft werden – auch dann nicht, wenn die Ergebnisse der Begutachtung eine solche Entscheidung nahelegen würden. In diesem Fall würden also die vorherige Einstufung und die höhere Pflegestufe automatisch erhalten bleiben.

Neue, differenziertere Pflegestufen

DemenzEinen der zentralen Punkte der Pflegereform stellt die Umstrukturierung des bisherigen Pflegestufen-Systems dar: Ab 2017 wird dieses statt den bisherigen drei dann fünf verschiedene Abstufungen, die sogenannten Pflegegrade, umfassen. Allerdings wurde bisher noch nicht rechtsverbindlich festgelegt, welche Voraussetzungen für die Feststellung eines bestimmten Pflegegrads erfüllt werden müssen. Die konkreteste Beschreibung des neuen Systems liefert bisher der Abschlussbericht „Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs“ des Bundesministeriums für Gesundheit. Dieser beschreibt die neuen Pflegegrade anhand von unterschiedlichen Fallbeispielen und definiert die entsprechenden Leistungsempfänger anhand ihrer Diagnosen. Im Mittelpunkt der Bewertung steht dabei vor allem der Grad der Selbstständigkeit, den die betroffenen Personen im Umgang mit den Krankheitsfolgen an den Tag legen, und aus denen im Folgenden der konkrete Grad der Pflegebedürftigkeit abgeleitet wird.

Pflegegrad 1: Dieser entspricht der bisherigen Pflegestufe 0; in diesen Pflegegrad werden Personen eingestuft, bei denen keine eingeschränkten Alltagskompetenzen festgestellt werden. Dazu zählen z.B. Personen mit mäßigen motorischen Einschränkungen, wie sie sich zum Beispiel aus Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen ergeben.

Pflegegrad 2: Im Pflegegrad 2 werden sowohl Personen mit und ohne Einschränkungen der Alltagskompetenz eingestuft. Sie entspricht am ehesten der bisherigen Pflegestufe 1. In diese Gruppe fallen zum Beispiel Pflegebedürftige mit stärker ausgeprägten Störungen des Bewegungsapparates, Personen, die an den Folgen eines Schlaganfalls leiden, Personen mit einer Demenz im Anfangsstadium oder zusätzlichen körperlichen Beeinträchtigungen.

Pflegegrad 3: entspricht am ehesten der bisherigen Pflegestufe 2. Personen, die in diesen Pflegegrad eingeordnet werden, leiden zum Beispiel unter inkompletter Lähmung von Armen und Beinen, multipler Sklerose oder Rückenmarkserkrankungen. Auch Menschen mit einer Demenzerkrankung werden dieser Gruppe zugeordnet.

Pflegegrad 4: Dem Pflegegrad 4, welcher mit der bisherigen Pflegestufe 3 verglichen werden kann, werden unter anderem Personen zugeordnet, die unter einer vollständigen Immobilität (z.B. auf Grund einer multiplen Sklerose, einer Querschnittslähmung oder einer Amputation) und kognitiven Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Angst oder Stimmungsschwankungen leiden, aber auch Menschen mit einer Demenz im fortgeschrittenen Stadium.

Pflegegrad 5:
In den Pflegegrad 5 werden Menschen mit Einschränkungen der Alltagskompetenz eingestuft, die zusätzlich unter einer schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigung leiden und als sogenannte Härtefälle gelten. In diese Gruppe fallen Personen mit einer fortgeschrittenen Demenz und körperlicher Hinfälligkeit, die z.B. steh- und gehunfähig und überwiegend bettlägerig sind.

Auch Angehörige sollen von verbesserten Leistungen profitieren

Nach Angaben der ARD verspricht die Reform aber nicht nur Verbesserungen für die Pflegebedürftigen, sondern auch für deren Angehörige, die zum Beispiel eine Besserstellung bei den Sozialbeiträgen erfahren sollen. Personen, die für die Pflege eines Angehörigen ihre berufliche Stellung aufgeben, sollen von den Pflegekassen außerdem dauerhafte Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhalten. Darüber hinaus wird die Pflegeversicherung zukünftig wohl auch für die Zahlung von Rentenbeiträgen in die Pflicht genommen. Voraussetzung dafür ist eine mindestens zehnstündige Aufwendung für die Pflege eines Angehörigen mit dem Pflegegrad 2. Wer sich um ein Familienmitglied mit dem höchsten Pflegegrad kümmert, kann mit bis zu 100% des Beitragssatzes rechnen.

Bevor die neue Regelung offiziell in Kraft treten kann, muss über den entsprechenden Entwurf allerdings noch im Bundestag beraten werden – was nach der Sommerpause der Fall sein wird. Läuft alles nach Plan, dann wird das neue Gesetz bereits Anfang 2016 formal in Kraft treten – so bleibt genug Zeit, um alles für die Umsetzung des neue Leistungssystems im Januar 2017 vorzubereiten.

27Jul/15

Einblicke in die Pflege: spanische Pflegekräfte in Deutschland

Spanische PflegekräfteDie Situation ist in Deutschland in Bezug auf Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich bekanntermaßen angespannt. Aus mehrerlei Gründen stagniert seit Jahren der Nachwuchs an deutschen Pflegekräften, die sich für diesen Beruf entscheiden.

Das ist einer der Hauptgründe, aus denen auch in diesem Bereich Pflegeheime, Krankenhäuser und mobile Pflegedienste auf ausländisches Pflegefachpersonal setzen. Die einen entscheiden sich für Osteuropa, die anderen für Südwesteuropa mit Spanien.

Spanische Pflegekräfte sind hier in Deutschland auch deswegen besonders gefragt, weil sie ein erstklassiges Fachwissen nachweisen können. Sie absolvieren ihre mehrjährige Ausbildung mit dem Ziel, im Spanien einen Arbeitsplatz als Krankenpfleger zum Beispiel in einem Krankenhaus zu bekommen. Erst wenn das über einen längeren Zeitraum hinweg nicht möglich ist und alle Bemühungen erfolglos bleiben, fällt die Entscheidung, im Ausland, beispielsweise in Deutschland zu arbeiten.

Unterstützt und gefördert wird das unter anderem durch die Europäische Union. Sie bietet EU-Programme mit dem Ziel einer internationalen Arbeitsvermittlung an. So werden in Spanien ganz gezielt arbeitslose Pflegekräfte für deutsche Pflegedienste angesprochen und angeworben.

Die GIP beispielsweise, Gesellschaft für medizinische Intensivpflege mbH mit Sitz in Berlin, ist auf eine außerklinische Intensivpflege fixiert. Sie benötigt dauerhaft und bundesweit qualifizierte Pflegekräfte. Das Fachpersonal von der Iberischen Halbinsel ist bestens ausgebildet, motiviert und kommt bei den Patienten ausgesprochen gut an.

Wie erfolgt die Beschäftigung?
Spanische KrankenpflegerDoch wie läuft die Anstellung genau ab und auf was muss man dabei achten? Ihr Aufenthalt beginnt nach Unterzeichnung des mehrjährigen Anstellungsvertrages mit einem Sprachkurs. Der Kursus wird aus dem EU-Programm Europäischer Sozialfond finanziert. Für die verpflichtende Teilnahme daran werden die Gastarbeiter/innen vom Dienst freigestellt.

Danach sollte natürlich eine intensive Phase der Einarbeitung erfolgen, damit sich die spanischen Mitarbeiter optimal zurechtfinden und gut in den Arbeitsalltag einsteigen können.

Trotz hoher Arbeitsbelastung durch die tägliche Stundenzahl, oder durch Arbeitszeiten am Wochenende sowie an Sonn- und Feiertagen bietet der deutsche Arbeitsmarkt den Pflegekräften gute Berufs- und ausgezeichnete Aufstiegschancen. Vor allem im Vergleich zur Arbeitsmarktsituation in Spanien.

Fazit
Was die Politik gut vorhat, wird in der Praxis weitgehend gut umgesetzt. Sicherlich gibt es generell im Bereich der Pflege noch Verbesserungsbedarf was Bezahlung und Arbetsbedingungen angeht, jedoch ist dies kein spezifisches Problem der spanische Pflegekräfte. Mittel- und langfristig gesehen profitieren alle Beteiligten und Betroffenen von der Integration qualifizierter Arbeitskräfte aus Spanien im deutschen Gesundheitssektor. Nicht zuletzt gehören dazu auch die deutschen Kranken und Pflegebedürftigen.

29Jun/15

Neues Gutachten zur Qualitätssicherung

Ratgeber PflegeDie Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) hat ein neues Gutachten zur Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege erstellt.

Thema des Gutachtens sind grundsätzliche Fragen zur Messung, Analyse und Entwicklung der Qualitätssicherung und –erfassung. Aufbauend auf den heutigen Rahmenbedingungen sollen also neue Qualitätsindikatoren gefunden und differenziert werden.

Hierbei stellt das Gutachten zuerst einmal fest, dass die Feststellung solcher Indikatoren für den qualitativen Bereich der ambulanten Pflege schwerer zu erarbeiten ist als in der stationären Pflege.

Aufgrund der strukturellen Unterschiede ist auch eine Übernahme der in der stationären Pflege bereits bewährten Kriterien nicht möglich:

„Dem Gutachten zufolge stellt sich die Entwicklung von Indikatoren für die Ergebnisqualität in der ambulanten Pflege im Vergleich zu der Erarbeitung von Indikatoren für die stationäre Pflege als diffizil, aber machbar heraus. Die einfache Übernahme der Indikatoren für die stationäre Pflege ist nicht möglich, da die ambulante Pflege anderen Systematiken und Rahmenbedingungen unterliegt. Es bedarf einer gesonderten Entwicklung und Erprobung von Indikatoren für die häusliche Pflege“.

Eine komplette Neuentwicklung der indikatorgestützten Qualitätsberichterstattung scheint also notwendig, kann aber natürlich nicht aus dem Boden gestampft werden, sondern muss in einem mehrstufigen Verfahren erfolgen. Hierbei bieten sich zuerst interne Lösungen an, die erst nach erfolgreicher Validierung in einen komparativen Zusammenhang gebracht werden.

Die ambulanten Pflegedienste
ambulante PflegeEine wichtige Rolle bei der Qualitätssicherung und der Weiterentwicklung einer indikatorgestützten Systematik spielen laut Gutachten die ambulanten Pflegedienste, vor allem im Bereich der 24-Stunden-Pflege, eine große Rolle, denn sie „können einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung häuslicher Pflegearrangements leisten.“

Zweckdienlich wäre hier eine flexible Anpassung des Leistungsangebots in den individuellen Pflegesituationen. Ein Beispiel hierfür wäre eine unkomplizierte Erweiterung bzw. Anpassung der Pflegeleistungen an die häusliche Pflegesituation, zum Beispiel im Falle der Verhinderungspflege.

Von Verhinderungspflege spricht man, wenn die pflegende Person aus gesundheitlichen oder privaten Gründen die Pflege kurzzeitig abgeben muss bzw. will. Dazu gehört ein gebrochenes Bein genauso wie ein Urlaub. Ein ambulanter Pflegedienst springt also über einen bestimmten Zeitraum ein, bevor die pflegende Person wieder übernimmt.

Zusätzliche Variablen und ausdifferenzierte individuelle Pflegesituationen erschweren die Vergleiche zwischen den intern erarbeiteten Indikatoren, denn „vergleichende Qualitätsberichterstattung ist nur möglich, wenn vergleichbare Konstellationen vorliegen“.

Als Schlussfolgerung ergibt sich die Notwendigkeit, vor Beginn einer praktischen Evaluation der Parameter in der Qualitätssicherung, empirische, also nachweisbare und vergleichbare, Pflegekonstellationen unter Berücksichtigung der Faktoren Intensität, Häufigkeit und Form der ambulanten Pflege zu entwickeln. Dies kann natürlich nur in Zusammenarbeit mit den Betroffenen und den beteiligten Pflegediensten geschehen.

Allerdings lässt sich auf dem literaturbasierten Gutachten argumentieren, das die gesuchten Qualitätsindikatoren aus den Bereichen Sicherheit, Kontinuität und Koordination zu ermitteln sind.

26Mai/15

Hauptschüler werden Servicehelfer – Neues Ausbildungsmodell hat sich bewährt

Die zweijährige Ausbildung zum Servicehelfer haben seit 2007 in Baden-Württemberg 83 Hauptschüler absolviert. Aktuell sind 39 junge Leute bei zehn Trägern mit den Profilen Hauswirtschaft in der Pflege oder Gastronomie an Kliniken in Ausbildung.

„Mit dem Servicehelfer haben wir einen in Baden-Württemberg anerkannten Ausbildungsberuf konzipiert, der schulmüde Hauptschüler praxisorientiert direkt in den ersten Arbeitsmarkt führt“, sagt Dr. Almut Satrapa-Schill, die das Projekt als Bereichsleiterin der Robert Bosch Stiftung mit initiiert hat. Als Vorstandsvorsitzende des 2013 gegründeten Caro Ass e.V., der Assistenzberufe im Sozial- und Gesundheitswesen fördert, trägt sie das Berufsbild seither in die Breite. Es soll in Baden-Württemberg bekannter und in anderen Bundesländern auch eingeführt werden.

Der Erfolg gibt ihr Recht: Landet bisher knapp die Hälfte aller Hauptschüler in Maßnahmen außerhalb des ersten Arbeitsmarktes, nicht zuletzt, weil zwei Drittel aller IHK-Berufe Hauptschüler ausschließen, erhalten 75 Prozent aller Servicehelfer am Ausbildungsende ein Stellenangebot. Ein Drittel schließt eine Ausbildung in der Pflege an oder geht in Gastronomie und Einzelhandel.

Nach dem ersten Ausbildungsjahr, in dem sie den Arbeitgeber brutto 925 Euro im Monat kosten, sind sie mit monatlich 990 Euro brutto nach Paragraph 87b als Betreuungsassistenten mit der Pflegekasse abrechenbar. Der Abschluss als Servicehelfer berechtigt zur dreijährigen Ausbildung zum Altenpfleger, die üblicherweise nur Realschülern offen steht.

„Wir hatten die Servicehelfer-Azubis zunächst als Lückenfüller für die Zivis gedacht“, räumt Werner Feil ein. Der Leiter der Else-Heydlauf-Stiftung in Stuttgart bildet aktuell sieben Servicehelfer aus. Vorausgegangen war, Aufgaben neu zu strukturieren, um Pflegekräfte von hauswirtschaftlichen Arbeiten wie Betten machen, Essen servieren oder Spüldienst zu entlasten. Solche Aufgaben wurden im Sozialdienst mit eigener Führungsstruktur im Haus gebündelt. Dazu gehört, dass die Servicehelfer den Senioren vorlesen, mit ihnen Spazieren gehen oder beim Essen helfen.

Den reduzierten schulischen Teil deckt das 1982 gegründete Bildungszentrum des Wohlfahrtswerks ab, zu dem die Else-Heydlauf-Stiftung wie 17 weitere Häuser im Südwesten gehören. Neben der Theorie über Grundlagen der Ernährung, Hygiene oder Warenlagerung stehen der Umgang mit geistigen Behinderungen oder wertschätzende Beziehungen im Lehrplan. „Breiten Raum nimmt die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Leute ein“, sagt Ausbildungsleiterin Melanie Haumann, selbst Sozialpädagogin.

Am Uni-Klinikum Tübingen deckt diesen Part Michael Egeler ab, ein gelernter Hotelfachmann. Seine 35 Servicehelfer haben ein gastronomisches Profil, das den Patienten in der Klinik wie einen Gast im Hotel betreut: Sie nehmen den Patienten auf, tragen sein Gepäck ins Zimmer und erklären den Tagesablauf. Allein auf drei Stationen, auf denen die Servicehelfer tagesgenau An- und Abreise erfassen, spart die Zentralküche seither 80.000 Euro im Jahr für Essen, die bislang ins Leere serviert worden waren.

Hauptschüler als Azubis in der Pflege
(Eine von landesweit 83 Servicehelferinnen in Ausbildung: Georgia Kirtzali (v.l.) mit einer Bewohnerin und ihrem Chef, Werner Feil. FOTO: FROMM)

Georgia Kirtzali, die in der Else-Heydtlauf-Stiftung Servicehelferin lernt, sieht man die Dankbarkeit an. Nach nicht beendeter Hauptschule hatte die mittlerweile 20-Jährige eine Hauswirtschaftslehre abgebrochen, um ihren Abschluss nachzuholen. An der Schule erfuhr sie von dieser Möglichkeit und bewarb sich. „Alles ist hier schön und alles mache ich gerne“, schwärmt die junge Frau, die nach ihrem Abschluss eine Ausbildung zur Kinderpflegerin machen will „oder ich bleibe hier.“

Die nächste Ausbildung zum Servicehelfer, für die noch Plätze frei sind, startet am 1. Oktober. Außerdem sucht das Wohlfahrtswerk weitere Pflegeheime, Kliniken und Behinderteneinrichtungen in der Region Stuttgart, Reutlingen-Tübingen und Pforzheim als Ausbildungspartner.

Infos: www.wohlfahrtswerk.de

13Apr/15

Kostenloser „Ratgeber zur Pflege“ des BMG erscheint in aktualisierter Auflage

Bundesministeriums für GesundheitDas deutsche Pflege- und Gesundheitswesen kann sehr schnell komplex und unübersichtlich wirken. Das gilt insbesondere für Laien: Wer kein Fachmann auf dem Gebiet ist, verliert schnell den Überblick über Gesetze, Förderungsmittel und Leistungsansprüche.

Rechtliche Neuregelungen 2015
Jüngste Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen verkomplizieren die Situation zusätzlich. Dabei ist es grade für Menschen, die von einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit überrascht werden - sei es die eigene oder die eines Angehörigen – wichtig, ausreichend informiert zu sein, um übereilte, ungeplante und oftmals kostspielige Fehltritte zu vermeiden.

Eine einfache Möglichkeit zur umfassenden Auskunft bietet der „Ratgeber zur Pflege – Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen“ des Bundesministeriums für Gesundheit, welcher seit Januar dieses Jahres in einer aktualisierten Neuauflage kostenlos zur Verfügung steht. Die Broschüre widmet sich auf über 130 Seiten allen relevanten Themen rund um das Thema Pflege und soll dem Leser so eine wichtige Orientierungshilfe an die Hand geben.

Anlass zur Neuveröffentlichung ist das im Januar 2015 in Kraft getretene erste Pflegestärkungsgesetz, mit welchem es sich die Bundesregierung zum Ziel gemacht hat, zahlreiche Verbesserungen und erweiterte Leistungen für Pflegebedürftige und deren Angehörigen umzusetzen. Dementsprechend widmet sich der Ratgeber in der Einleitung erst einmal den zahlreichen Neuerungen in der Pflege, wie zum Beispiel erhöhten Leistungsbeiträgen, mehr Geldern für die häusliche Pflege oder zusätzlichen Betreuungskräften in voll- und teilstationären Einrichtungen.

Infos für Angehörige und Betroffene
Ratgeber PflegeDie Broschüre eignet sich aber auch für Einsteiger in die Pflegethematik, denn in den folgenden Kapiteln werden vor allem grundlegende Fragen behandelt wie: Wer gilt überhaupt als pflegebedürftig? Was ist die Pflegeversicherung und wie wird sie finanziert? Wer ist versichert? Darüber hinaus werden die verschiedenen Leistungen der Pflegeversicherung sowie die unterschiedlichen Betreuungsformen und –einrichtungen, die pflegebedürftigen Bürgern zur Verfügung stehen, übersichtlich vorgestellt und erläutert – vom ambulanten Pflegedienst über Pflege-Wohngemeinschaften bis hin zur Betreuung in unterschiedlichen Heimtypen.

Speziell eingegangen wird auch auf die besonderen Leistungen für demenziell erkrankte Menschen. Ein ganzer Abschnitt des Ratgebers ist außerdem dem Thema der Pflege von Angehörigen zuhause gewidmet. Es beinhaltet wichtige Informationen zur finanziellen Unterstützung, der sozialen und finanziellen Absicherung der pflegenden Person und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Des Weiteren beinhaltet die Broschüre außerdem eine Übersicht über die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten, die Betroffenen im Pflegefall zustehen, sowie über die verschiedenen Maßnahmen, die dazu dienen sollen, Qualität und Transparenz in der Pflege zu verbessern.

Die Pflege im Überblick
Insgesamt bietet der „Ratgeber zur Pflege“ eine gute und umfangreiche Übersicht über die Thematik und eignet sich sowohl für alle, die sich erstmals mit dem Thema Pflege auseinandersetzen möchten, als auch für Fortgeschrittene, die sich über Neuerungen und konkrete Details informieren möchte. Die Broschüre kann online als PDF auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit heruntergeladen oder postalisch bestellt werden.

4Mrz/15

Digitalisierung in der Pflege – Zukunft oder schon Realität?

„Stellen Sie sich vor, es gäbe da einen Arzt, der 24 Stunden für Sie erreichbar ist. Immer wenn Sie ihn anrufen, hat er Ihre Patientenakte schon vor sich.“ So beginnt ein Artikel bei Spiegel Online über Innovationen in der Medizin. Es steht nunmal fest, dass die Digitalisierung unsere Arbeitsabläufe umkrempelt. Oder hat sie dies schon? Wie sieht der Umgang bei euch, z.B. mit Krankenakten, aus?

Wie ich darauf komme?
Ich bin auf die Software Filemaker, eine Tochtergesellschaft von Apple, aufmerksam geworden. Damit kann man, wenn man sich ein wenig mit Technik auskennt, recht schnell individuelle Anwendungen für die unterschiedlichsten Geschäftsbereiche erstellen. Wie das z.B. für die Gesundheitsbranche aussieht, zeigt dieses Video:

Das Unternehmen, was man im Video sieht (Lee Medical Inc.) beschäftigt Pflegepersonal für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Das Personal kann durch die Filemaker Software per iPad jeder Zeit auf Patientendaten zugreifen und spart dadurch anscheinend viel Zeit, um umfangreiche Dokumentation zu erstellen. Außerdem werden, und das ist natürlich eines der wichtigsten Themen, die strengen Erfordernisse zur Datensicherheit erfüllt.

Ich habe mich ein wenig an die Krankenhausserie „Grey´s Anatomy“ erinnert. In den ersten Staffeln wurden die Patientenakten auf Papier und Klemmbrett transportiert, heute geht alles per Tablet:

Und was hat das mit mir zu tun?
Ich interessiere mich ja nicht nur für Menschen, sondern auch für Technik. Daher beobachte ich die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, sehr gespannt. Denn neben den vielen Vorteilen gibt es ja auch einige kritische Punkte, wie z.B. die Datensicherheit. Datenschutzbeauftragte verschiedener Bundesländer haben dazu auch schon vor Jahren eine Orientierungshilfe Krankenhausinformationssysteme veröffentlicht.

Aber es geht kein Weg an den digitalen Patientenakten vorbei. Da bin ich mir sicher - die Frage ist nur, wann es in deutschen Pflegeheimen oder Krankenhäusern genauso zugeht, wie im Video von Filemaker bzw. bei Grey´s Anatomy.

Oder ist es bei euch schon jetzt so? Ich freue mich auf ein paar Meinungen und Erfahrungsberichte von euch!

2Mrz/15

Sören geht wieder auf Reisen

Es ist schon etwas länger her, seit Sören sein letztes Praktikum absolviert hat. Aber mit dem neuen Jahr werden auch die guten Vorsätze eingelöst und Sören möchte wieder viele neue Leute und Jobs kennenlernen.

Heute morgen hat er sich in seinen kleien Karton zurückgezogen und schon morgen wird er dann in Nürnberg ankommen und sein Praktikum beginnen. Wie es abgelaufen ist, darüber wird er wie immer hier intensiv und mit vielen Fotobeweisen berichten.

Sören auf Reise nach Nürnberg

Über Sören
Das kleine Schaf Sören ist neugierig und möchte viel von der Welt sehen - vor allem von der Pflegewelt. Daher ist er oft unterwegs und besucht die unterschiedlichsten Pflegeberufe. Seine Reise hat ihn in der Vergangenheit quer durch Deutschland geführt. Er war ...

  • in Aachen bei CareKonzept
  • in Bad Wildbad bei der Enz Apotheke (Fotos bei Facebook und hier Bericht als PDF)
  • in Köln bei NetDoktor (Bericht hier)
  • beim ambulanten PFlegedienst Wagner in Grafenwiesen (leider kein Bericht mehr online)
  • beim Hospizverein in Fürth (leider kein Bericht mehr online)
  • beim Kinder Pflege Netzwerk in Berlin (Bericht hier)
  • als Musiktherapeut in Herborn (Bericht hier)
  • bei CareFlex in Hamburg (Bericht hier)
  • beim Verlag Akademische Arbeitsgemeinschaft in Mannheim (Bericht hier)

Hast du auch Lust, Sören ein kleines eintägiges Praktikum zu ermöglichen und Einblicke in den Tagesablauf bei dir zu geben? Dann meld dich einfach bei mir: fragen (ätt) der-pflegeblogger.de.

25Feb/15

Unterstützung für Senioren – Informationen zu Haushaltshilfen

Den meisten Senioren liegt das eigene Zuhause sehr am Herzen. Sie wünschen sich möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Ist der Gesundheitszustand gut, können sich ältere Menschen oft bis ins hohe Alter nahezu selbst versorgen. Die täglichen Pflichten des Haushalts machen allerdings zu schaffen. Erledigungen wie Einkaufen, Putzen und Kochen fallen immer schwerer und verlangen einiges ab. Um sich die Selbstständigkeit dauerhaft zu bewahren, können externe Haushaltshilfen in Anspruch genommen werden. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich vorab über die Einzelheiten informieren.

Unterschied zwischen Pflegekraft und Haushaltshilfe

Hilfe beim BügelnEine Haushaltshilfe darf zunächst nicht mit einer Pflegekraft verwechselt werden. Dies ist bei der individuellen Bedarfsermittlung entscheidend. Die Agentur SunaCare, die unter anderem Unterstützung durch Haushaltskräfte aus dem EU-Ausland organisiert, erläutert den Unterschied zwischen Pflegekraft und Haushaltshilfe auf ihrer Interpräsenz verständlich: „Die Haushaltshilfe übernimmt für Sie oder Ihren Angehörigen vor allem Tätigkeiten im Haushalt. Dazu gehören unter anderem putzen, kochen und Wäsche waschen. Daneben kann eine Haushaltskraft Sie aber auch in der Kinderbetreuung oder der Aufsicht von dementen Familienmitgliedern unterstützen. Im Gegensatz zu einer Pflegekraft übernimmt eine Haushaltshilfe keine Tätigkeiten an der Person, wie z.B. Körperpflege oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.“

Sollten sich Senioren noch weitestgehend selbst versorgen können und keine beziehungsweise kaum körperlichen Beschwerden haben, die eine Pflegekraft erfordern, wäre eine Haushaltshilfe demnach genau das Richtige.

Finanzierung von Haushaltshilfen

Dass die gesetzliche Pflegeversicherung bein Thema häusliche Pflege zur finanziellen Realisierung beiträgt, ist den meisten bekannt. Dass es auch bezüglich einer Haushaltshilfe Unterstützung vom Staat geben kann, wissen viele nicht. Im § 14 Abs. 4 SGB XI ist die Thematik Haushaltshilfen klar geregelt. Es geht um die hauswirtschaftliche Versorgung, eine Leistung die in der gesetzlichen Pflegeversicherung abhängig von den Voraussetzungen verankert ist.

Häufig müssen sich Senioren keine Gedanken über die Finanzierung einer Haushaltshilfe machen und bekommen dann bei diversen hauswirtschaftlichen Problemstellungen Unterstützung. Um einen Eindruck von den möglichen Pflegegeldern zu erhalten, wurde eine Tabelle eingebunden, die den Leistungsanspruch pro Pflegestufe verdeutlicht. Sie wurde vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht. Hintergrund für die Gegenüberstellung der Leistungen von 2014 und 2015 ist die Tatsache, dass die Pflegeleistungen aufgrund des ersten von zwei Pflegestärkungsgesetzen zum 1. Januar 2015 erhöht wurden. Das Pflegegeld kann, sollten die Voraussetzungen hierfür bestehen, zur finanziellen Entlastung bei der Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe dienen.

Ziel einer Haushaltshilfe sollte es sein die Eigenständigkeit von älteren Menschen möglichst lang zu bewahren. Um von finanzieller Unterstützung seitens der gesetzlichen Pflegeversicherung profitieren zu können, müssen allerdings gewisse Bedingungen erfüllt sein. Laut § 36 SGB XI gilt für Haushaltshilfen die Definition der Hilfeleistung im Rahmen der Pflegesachleistungen. Generell muss eine Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden und die entsprechende Person einer Pflegestufe zugeordnet sein. Abhängig davon wird der Hilfebedarf bestimmt, woraus der Umfang der Haushaltshilfe hervorgeht. Ambulante Pflegedienste können eine Haushaltshilfe stellen.
Tabelle-Pflegegeld

Bevor jedoch der Kontakt mit einem Pflegedienst aufgenommen wird, ist es empfehlenswert sich mit der zuständige Pflegekasse in Verbindung zu setzen. Diese sind dazu verpflichtet eine individuelle Pflegeberatung durchzuführen. Den Versicherten steht dies generell zu. Hierunter fällt gleichzeitig die Vermittlung von Haushaltshilfen.

Haushaltshilfen aus dem EU-Ausland

Trotz finanzieller Unterstützung der gesetzlichen Pflegeversicherung sind professionelle Haushaltshilfen nicht für jeden bezahlbar. Außerdem kann nicht in jedem Fall eine Bezuschussung erwartet werden. Eine günstige Alternative scheinen professionelle Kräfte aus dem EU-Ausland zu sein. Wer auf diese Lösung zurückgreift, muss sich auf seriöse Vermittlungsagentur konzentrieren, die faire Rahmenbedingungen für beide Parteien gewährleisten. Folgende Punkte spielen unter anderem eine Rolle:

  • angemessene Bezahlung für Haushaltshilfen
  • Sozialversicherung
  • Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen
  • Beantragung einer Betriebsnummer

Für einige Staaten gilt seit 1.Mai 2011 die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Diese Regelung erleichtert es Angehörigen und Senioren selbstständig eine geeignete Haushalts- beziehungsweise Pflegekraft zu organisieren. Seither dürfen entsprechende Fachkräfte aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Lettland, Litauen und Estland eigenständig in Anspruch genommen werden. Vor der Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit waren direkte Arbeitsverträge mit ausländischen Pflegekräften illegal.

Heute benötigen die ausländischen Haushaltshilfen keine Arbeitsgenehmigung mehr, solange sie innerhalb der EU tätig sind. Wichtig ist, dass Unternehmen, die ausländische Fachkräfte nach Deutschland entsenden nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) handeln und der gesamte Prozess damit übereinstimmt. Trotzdem müssen Deutsche bei Haushaltshilfen genau hinschauen und die Unterlagen der Vermittlungsunternehmen detailliert prüfen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat zum Thema Entsendung von Arbeitnehmern Hinweise zum Arbeitsrecht zusammengefasst:

„Entsandte Arbeitnehmer, die nur für eine bestimmte Zeit zur Erbringung einer Dienstleistung von ihrem Arbeitgeber nach Deutschland entsandt wurden, fallen unter das Arbeitsrecht ihres Herkunftslandes. Zugleich sind aber Mindestarbeitsbedingungen aufgrund von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften (z.B. Mindestentgelt, Mindesturlaub, Höchstarbeitszeit) sowie in bestimmten Branchen tarifvertragliche Regelungen, insbesondere Mindestlöhne, zwingend einzuhalten.“ (Quelle: arbeitsagentur.de)

Seit 2011 können Senioren und Angehöre Fachkräfte aus dem EU-Ausland selbstständig als Haushaltshilfe anstellen. Der deutsche Auftraggeber wird damit vorübergehend zum Arbeitgeber. Da sich das Leistungsspektrum der verschiedenen Agenturen stark voneinander unterscheiden kann und auch nicht jedes Unternehmen seriös agiert, ist es umso wichtiger sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Pflegekraftvermittlung durch die SunaCare GmbH gehört zu den spezialisierten Unternehmen, die Haushaltshilfen aus dem EU-Ausland nicht nur vermittelt, sondern gleichzeitig mit intensiver Beratung zur Verfügung steht. Neben einem Online-Fragebogen, der es Interessenten erleichtert unverbindliche Angebote einzuholen, besteht eine kostenlose Hotline zum Informieren. Der Vorteil derartiger Vermittler ist, dass Senioren und dessen Angehörige bei der Abwicklung unterstützt werden.

Hilfe beim putzenNicht nur die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen werden vorab geregelt, deutsche Auftraggeber können sich auch sicher sein, dass die Haushaltshilfen fair entlohnt werden und die gesamte Entsendung des Personals legal verläuft. Interessenten sind gut beraten sich von den entsprechenden Vermittlungsagenturen über die nötigen Formulare und rechtlichen Grundlage aufklären zu lassen. Wer eine Haushaltshilfe aus Osteuropa in Anspruch nimmt, schließt in der Regel mit dem im Ausland niedergelassenen Unternehmen einen Vertrag ab. Vertragsinhalt ist die vorübergehende Erbringung einer Betreuungsdienstleistung. Das im Ausland ansässige Unternehmen, entsendet anschließend sein Personal nach Deutschland. Bei der Auswahl der Agentur ist zudem auf das A1-Formular zu bestehen. Es bestätigt, dass die Haushaltshilfe in dem entsprechenden EU-Land angestellt und durch das Entsendeunternehmen sozialversichert ist.

Weitere Anregungen und Tipps zum Thema Wohnen im Alter haben wir hier zusammengefasst.

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Tabelle: bundesgesundheitsministerium.de
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17Feb/15

Verhinderungspflege – Entlastung für den pflegenden Angehörigen

Altenpflege zu HauseDie Situation der Verhinderungspflege ist dann gegeben, wenn ein pflegender Angehöriger kurzzeitig ausfällt, Urlaub nimmt oder selbst erkrankt ist.

Ein pflegebedürftiger Mensch, dessen Angehöriger verhindert ist, nimmt in solchen Fällen die Verhinderungspflege in Anspruch bzw. hat gesetzlichen Anspruch darauf (Pflegestärkungsgesetz). Für diese Zeit wird er von einem professionellen Pflegedienst
oder der Kurzzeitpflegeeinrichtung betreut. Hier wird er für eine begrenzte Zeit stationär aufgenommen.

So kann jeder Demenzkranke, der zuhause gepflegt wird, Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Braucht er Hilfe, weil seine Pflegekraft kurzzeitig ausfällt, zahlt die Pflegekasse auf Antrag einen Pflegedienst. Die Kosten für die Verhinderungspflege dürfen den jährlichen Betrag von 1.612 € nicht überschreiten. Auch gibt es einen zeitliche Begrenzung für Verhinderungspflege: Sie darf nicht mehr als 28 Tage im Jahr beanspruchen.

Die Verhinderungspflege bringt dem pflegenden Angehörigen ein Stück Entlastung. Wird ein pflegendes Familienmitglied selbst krank oder braucht es Urlaub, wird die Pflege von einem Dienstleister übernommen und der Angehörige hat selbst genügend Zeit zur Regeneration. Die Zeiten können individuell eingeteilt und auch stundenweise verrechnet werden.

Pflegekostenerstattung nach festen gesetzlichen Bestimmungen
Antrag bei der PflegekasseDer gesetzliche Anspruch besteht allerdings erst dann, wenn der Pflegebedürftige mindestens sechs Monate lang zuhause gepflegt worden ist. Die Verhinderungspflege kann von einem Nachbarn, Angehörigen oder Freunde übernommen werden. Im Idealfall übernimmt eine vertraute Person aus dem persönlichen Umfeld die Pflege im Vertretungsfall.

Die Verhinderungspflege wird oft auch von ambulanten Pflegediensten (so leistet z.B. Toll Betreuung Hilfe für pflegende Angehörige) gewährleistet, z.B. wenn der/die Pflegende erkrankt oder im Urlaub ist. Auch eine Kurzzeitpflegeeinrichtung kann die Pflege in dieser Zeit übernehmen.

Sofern Verwandte bis zum zweiten Grad oder Personen, die mit dem Bedürftigen in einem Haushalt leben, die Ersatzpflege übernehmen, können nur die Kosten bis zur maximalen Höhe des Pflegegelds (entsprechend der Pflegestufe) erstattet werden. Wird mit der Pflegetätigkeit das Erwerbseinkommen gesichert, erstattet die Pflegeversicherung seit dem 1. Januar 2015 maximal 1.612 €.

Den Antrag auf Leistungen zur Verhinderungspflege stellt man bei der Pflegekasse. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können immer miteinander kombiniert werden. Wer Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang beansprucht, kann sich das Pflegegeld anteilig auszahlen lassen.