4Mrz/15

Digitalisierung in der Pflege – Zukunft oder schon Realität?

„Stellen Sie sich vor, es gäbe da einen Arzt, der 24 Stunden für Sie erreichbar ist. Immer wenn Sie ihn anrufen, hat er Ihre Patientenakte schon vor sich.“ So beginnt ein Artikel bei Spiegel Online über Innovationen in der Medizin. Es steht nunmal fest, dass die Digitalisierung unsere Arbeitsabläufe umkrempelt. Oder hat sie dies schon? Wie sieht der Umgang bei euch, z.B. mit Krankenakten, aus?

Wie ich darauf komme?
Ich bin auf die Software Filemaker, eine Tochtergesellschaft von Apple, aufmerksam geworden. Damit kann man, wenn man sich ein wenig mit Technik auskennt, recht schnell individuelle Anwendungen für die unterschiedlichsten Geschäftsbereiche erstellen. Wie das z.B. für die Gesundheitsbranche aussieht, zeigt dieses Video:

Das Unternehmen, was man im Video sieht (Lee Medical Inc.) beschäftigt Pflegepersonal für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Das Personal kann durch die Filemaker Software per iPad jeder Zeit auf Patientendaten zugreifen und spart dadurch anscheinend viel Zeit, um umfangreiche Dokumentation zu erstellen. Außerdem werden, und das ist natürlich eines der wichtigsten Themen, die strengen Erfordernisse zur Datensicherheit erfüllt.

Ich habe mich ein wenig an die Krankenhausserie „Grey´s Anatomy“ erinnert. In den ersten Staffeln wurden die Patientenakten auf Papier und Klemmbrett transportiert, heute geht alles per Tablet:

Und was hat das mit mir zu tun?
Ich interessiere mich ja nicht nur für Menschen, sondern auch für Technik. Daher beobachte ich die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, sehr gespannt. Denn neben den vielen Vorteilen gibt es ja auch einige kritische Punkte, wie z.B. die Datensicherheit. Datenschutzbeauftragte verschiedener Bundesländer haben dazu auch schon vor Jahren eine Orientierungshilfe Krankenhausinformationssysteme veröffentlicht.

Aber es geht kein Weg an den digitalen Patientenakten vorbei. Da bin ich mir sicher - die Frage ist nur, wann es in deutschen Pflegeheimen oder Krankenhäusern genauso zugeht, wie im Video von Filemaker bzw. bei Grey´s Anatomy.

Oder ist es bei euch schon jetzt so? Ich freue mich auf ein paar Meinungen und Erfahrungsberichte von euch!

2Mrz/15

Sören geht wieder auf Reisen

Es ist schon etwas länger her, seit Sören sein letztes Praktikum absolviert hat. Aber mit dem neuen Jahr werden auch die guten Vorsätze eingelöst und Sören möchte wieder viele neue Leute und Jobs kennenlernen.

Heute morgen hat er sich in seinen kleien Karton zurückgezogen und schon morgen wird er dann in Nürnberg ankommen und sein Praktikum beginnen. Wie es abgelaufen ist, darüber wird er wie immer hier intensiv und mit vielen Fotobeweisen berichten.

Sören auf Reise nach Nürnberg

Über Sören
Das kleine Schaf Sören ist neugierig und möchte viel von der Welt sehen - vor allem von der Pflegewelt. Daher ist er oft unterwegs und besucht die unterschiedlichsten Pflegeberufe. Seine Reise hat ihn in der Vergangenheit quer durch Deutschland geführt. Er war ...

  • in Aachen bei CareKonzept
  • in Bad Wildbad bei der Enz Apotheke (Fotos bei Facebook und hier Bericht als PDF)
  • in Köln bei NetDoktor (Bericht hier)
  • beim ambulanten PFlegedienst Wagner in Grafenwiesen (leider kein Bericht mehr online)
  • beim Hospizverein in Fürth (leider kein Bericht mehr online)
  • beim Kinder Pflege Netzwerk in Berlin (Bericht hier)
  • als Musiktherapeut in Herborn (Bericht hier)
  • bei CareFlex in Hamburg (Bericht hier)
  • beim Verlag Akademische Arbeitsgemeinschaft in Mannheim (Bericht hier)

Hast du auch Lust, Sören ein kleines eintägiges Praktikum zu ermöglichen und Einblicke in den Tagesablauf bei dir zu geben? Dann meld dich einfach bei mir: fragen (ätt) der-pflegeblogger.de.

25Feb/15

Unterstützung für Senioren – Informationen zu Haushaltshilfen

Den meisten Senioren liegt das eigene Zuhause sehr am Herzen. Sie wünschen sich möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Ist der Gesundheitszustand gut, können sich ältere Menschen oft bis ins hohe Alter nahezu selbst versorgen. Die täglichen Pflichten des Haushalts machen allerdings zu schaffen. Erledigungen wie Einkaufen, Putzen und Kochen fallen immer schwerer und verlangen einiges ab. Um sich die Selbstständigkeit dauerhaft zu bewahren, können externe Haushaltshilfen in Anspruch genommen werden. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich vorab über die Einzelheiten informieren.

Unterschied zwischen Pflegekraft und Haushaltshilfe

Hilfe beim BügelnEine Haushaltshilfe darf zunächst nicht mit einer Pflegekraft verwechselt werden. Dies ist bei der individuellen Bedarfsermittlung entscheidend. Die Agentur SunaCare, die unter anderem Unterstützung durch Haushaltskräfte aus dem EU-Ausland organisiert, erläutert den Unterschied zwischen Pflegekraft und Haushaltshilfe auf ihrer Interpräsenz verständlich: „Die Haushaltshilfe übernimmt für Sie oder Ihren Angehörigen vor allem Tätigkeiten im Haushalt. Dazu gehören unter anderem putzen, kochen und Wäsche waschen. Daneben kann eine Haushaltskraft Sie aber auch in der Kinderbetreuung oder der Aufsicht von dementen Familienmitgliedern unterstützen. Im Gegensatz zu einer Pflegekraft übernimmt eine Haushaltshilfe keine Tätigkeiten an der Person, wie z.B. Körperpflege oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.“

Sollten sich Senioren noch weitestgehend selbst versorgen können und keine beziehungsweise kaum körperlichen Beschwerden haben, die eine Pflegekraft erfordern, wäre eine Haushaltshilfe demnach genau das Richtige.

Finanzierung von Haushaltshilfen

Dass die gesetzliche Pflegeversicherung bein Thema häusliche Pflege zur finanziellen Realisierung beiträgt, ist den meisten bekannt. Dass es auch bezüglich einer Haushaltshilfe Unterstützung vom Staat geben kann, wissen viele nicht. Im § 14 Abs. 4 SGB XI ist die Thematik Haushaltshilfen klar geregelt. Es geht um die hauswirtschaftliche Versorgung, eine Leistung die in der gesetzlichen Pflegeversicherung abhängig von den Voraussetzungen verankert ist.

Häufig müssen sich Senioren keine Gedanken über die Finanzierung einer Haushaltshilfe machen und bekommen dann bei diversen hauswirtschaftlichen Problemstellungen Unterstützung. Um einen Eindruck von den möglichen Pflegegeldern zu erhalten, wurde eine Tabelle eingebunden, die den Leistungsanspruch pro Pflegestufe verdeutlicht. Sie wurde vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht. Hintergrund für die Gegenüberstellung der Leistungen von 2014 und 2015 ist die Tatsache, dass die Pflegeleistungen aufgrund des ersten von zwei Pflegestärkungsgesetzen zum 1. Januar 2015 erhöht wurden. Das Pflegegeld kann, sollten die Voraussetzungen hierfür bestehen, zur finanziellen Entlastung bei der Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe dienen.

Ziel einer Haushaltshilfe sollte es sein die Eigenständigkeit von älteren Menschen möglichst lang zu bewahren. Um von finanzieller Unterstützung seitens der gesetzlichen Pflegeversicherung profitieren zu können, müssen allerdings gewisse Bedingungen erfüllt sein. Laut § 36 SGB XI gilt für Haushaltshilfen die Definition der Hilfeleistung im Rahmen der Pflegesachleistungen. Generell muss eine Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden und die entsprechende Person einer Pflegestufe zugeordnet sein. Abhängig davon wird der Hilfebedarf bestimmt, woraus der Umfang der Haushaltshilfe hervorgeht. Ambulante Pflegedienste können eine Haushaltshilfe stellen.
Tabelle-Pflegegeld

Bevor jedoch der Kontakt mit einem Pflegedienst aufgenommen wird, ist es empfehlenswert sich mit der zuständige Pflegekasse in Verbindung zu setzen. Diese sind dazu verpflichtet eine individuelle Pflegeberatung durchzuführen. Den Versicherten steht dies generell zu. Hierunter fällt gleichzeitig die Vermittlung von Haushaltshilfen.

Haushaltshilfen aus dem EU-Ausland

Trotz finanzieller Unterstützung der gesetzlichen Pflegeversicherung sind professionelle Haushaltshilfen nicht für jeden bezahlbar. Außerdem kann nicht in jedem Fall eine Bezuschussung erwartet werden. Eine günstige Alternative scheinen professionelle Kräfte aus dem EU-Ausland zu sein. Wer auf diese Lösung zurückgreift, muss sich auf seriöse Vermittlungsagentur konzentrieren, die faire Rahmenbedingungen für beide Parteien gewährleisten. Folgende Punkte spielen unter anderem eine Rolle:

  • angemessene Bezahlung für Haushaltshilfen
  • Sozialversicherung
  • Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen
  • Beantragung einer Betriebsnummer

Für einige Staaten gilt seit 1.Mai 2011 die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Diese Regelung erleichtert es Angehörigen und Senioren selbstständig eine geeignete Haushalts- beziehungsweise Pflegekraft zu organisieren. Seither dürfen entsprechende Fachkräfte aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Lettland, Litauen und Estland eigenständig in Anspruch genommen werden. Vor der Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit waren direkte Arbeitsverträge mit ausländischen Pflegekräften illegal.

Heute benötigen die ausländischen Haushaltshilfen keine Arbeitsgenehmigung mehr, solange sie innerhalb der EU tätig sind. Wichtig ist, dass Unternehmen, die ausländische Fachkräfte nach Deutschland entsenden nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) handeln und der gesamte Prozess damit übereinstimmt. Trotzdem müssen Deutsche bei Haushaltshilfen genau hinschauen und die Unterlagen der Vermittlungsunternehmen detailliert prüfen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat zum Thema Entsendung von Arbeitnehmern Hinweise zum Arbeitsrecht zusammengefasst:

„Entsandte Arbeitnehmer, die nur für eine bestimmte Zeit zur Erbringung einer Dienstleistung von ihrem Arbeitgeber nach Deutschland entsandt wurden, fallen unter das Arbeitsrecht ihres Herkunftslandes. Zugleich sind aber Mindestarbeitsbedingungen aufgrund von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften (z.B. Mindestentgelt, Mindesturlaub, Höchstarbeitszeit) sowie in bestimmten Branchen tarifvertragliche Regelungen, insbesondere Mindestlöhne, zwingend einzuhalten.“ (Quelle: arbeitsagentur.de)

Seit 2011 können Senioren und Angehöre Fachkräfte aus dem EU-Ausland selbstständig als Haushaltshilfe anstellen. Der deutsche Auftraggeber wird damit vorübergehend zum Arbeitgeber. Da sich das Leistungsspektrum der verschiedenen Agenturen stark voneinander unterscheiden kann und auch nicht jedes Unternehmen seriös agiert, ist es umso wichtiger sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Pflegekraftvermittlung durch die SunaCare GmbH gehört zu den spezialisierten Unternehmen, die Haushaltshilfen aus dem EU-Ausland nicht nur vermittelt, sondern gleichzeitig mit intensiver Beratung zur Verfügung steht. Neben einem Online-Fragebogen, der es Interessenten erleichtert unverbindliche Angebote einzuholen, besteht eine kostenlose Hotline zum Informieren. Der Vorteil derartiger Vermittler ist, dass Senioren und dessen Angehörige bei der Abwicklung unterstützt werden.

Hilfe beim putzenNicht nur die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen werden vorab geregelt, deutsche Auftraggeber können sich auch sicher sein, dass die Haushaltshilfen fair entlohnt werden und die gesamte Entsendung des Personals legal verläuft. Interessenten sind gut beraten sich von den entsprechenden Vermittlungsagenturen über die nötigen Formulare und rechtlichen Grundlage aufklären zu lassen. Wer eine Haushaltshilfe aus Osteuropa in Anspruch nimmt, schließt in der Regel mit dem im Ausland niedergelassenen Unternehmen einen Vertrag ab. Vertragsinhalt ist die vorübergehende Erbringung einer Betreuungsdienstleistung. Das im Ausland ansässige Unternehmen, entsendet anschließend sein Personal nach Deutschland. Bei der Auswahl der Agentur ist zudem auf das A1-Formular zu bestehen. Es bestätigt, dass die Haushaltshilfe in dem entsprechenden EU-Land angestellt und durch das Entsendeunternehmen sozialversichert ist.

Weitere Anregungen und Tipps zum Thema Wohnen im Alter haben wir hier zusammengefasst.

Bildquelle:

1. Bild: pixabay.com (condesign)
Tabelle: bundesgesundheitsministerium.de
2. Bild: pixabay.com (condesign)

17Feb/15

Verhinderungspflege – Entlastung für den pflegenden Angehörigen

Altenpflege zu HauseDie Situation der Verhinderungspflege ist dann gegeben, wenn ein pflegender Angehöriger kurzzeitig ausfällt, Urlaub nimmt oder selbst erkrankt ist.

Ein pflegebedürftiger Mensch, dessen Angehöriger verhindert ist, nimmt in solchen Fällen die Verhinderungspflege in Anspruch bzw. hat gesetzlichen Anspruch darauf (Pflegestärkungsgesetz). Für diese Zeit wird er von einem professionellen Pflegedienst
oder der Kurzzeitpflegeeinrichtung betreut. Hier wird er für eine begrenzte Zeit stationär aufgenommen.

So kann jeder Demenzkranke, der zuhause gepflegt wird, Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Braucht er Hilfe, weil seine Pflegekraft kurzzeitig ausfällt, zahlt die Pflegekasse auf Antrag einen Pflegedienst. Die Kosten für die Verhinderungspflege dürfen den jährlichen Betrag von 1.612 € nicht überschreiten. Auch gibt es einen zeitliche Begrenzung für Verhinderungspflege: Sie darf nicht mehr als 28 Tage im Jahr beanspruchen.

Die Verhinderungspflege bringt dem pflegenden Angehörigen ein Stück Entlastung. Wird ein pflegendes Familienmitglied selbst krank oder braucht es Urlaub, wird die Pflege von einem Dienstleister übernommen und der Angehörige hat selbst genügend Zeit zur Regeneration. Die Zeiten können individuell eingeteilt und auch stundenweise verrechnet werden.

Pflegekostenerstattung nach festen gesetzlichen Bestimmungen
Antrag bei der PflegekasseDer gesetzliche Anspruch besteht allerdings erst dann, wenn der Pflegebedürftige mindestens sechs Monate lang zuhause gepflegt worden ist. Die Verhinderungspflege kann von einem Nachbarn, Angehörigen oder Freunde übernommen werden. Im Idealfall übernimmt eine vertraute Person aus dem persönlichen Umfeld die Pflege im Vertretungsfall.

Die Verhinderungspflege wird oft auch von ambulanten Pflegediensten (so leistet z.B. Toll Betreuung Hilfe für pflegende Angehörige) gewährleistet, z.B. wenn der/die Pflegende erkrankt oder im Urlaub ist. Auch eine Kurzzeitpflegeeinrichtung kann die Pflege in dieser Zeit übernehmen.

Sofern Verwandte bis zum zweiten Grad oder Personen, die mit dem Bedürftigen in einem Haushalt leben, die Ersatzpflege übernehmen, können nur die Kosten bis zur maximalen Höhe des Pflegegelds (entsprechend der Pflegestufe) erstattet werden. Wird mit der Pflegetätigkeit das Erwerbseinkommen gesichert, erstattet die Pflegeversicherung seit dem 1. Januar 2015 maximal 1.612 €.

Den Antrag auf Leistungen zur Verhinderungspflege stellt man bei der Pflegekasse. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können immer miteinander kombiniert werden. Wer Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang beansprucht, kann sich das Pflegegeld anteilig auszahlen lassen.

13Feb/15

Mangelnder Schutz vor Nadelstichverletzungen immer noch problematisch

NadelverletzungDie Verletzungsgefahr durch Nadelstiche am Arbeitsplatz ist immer noch Teil des beruflichen Alltags von Pflegefachkräften – und das, obwohl Arbeitgeber und –geberinnen seit März 2014 gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Mitarbeiter angemessen vor Stich- und Schnittverletzungen zu schützen. Im beruflichen Alltag gestaltet sich die Umsetzung allerdings oft schwierig. Das ergab nun die Auswertung einer Umfrage der Initiative SAFETY FIRST!, die im vergangenen Jahr unter Pflegekräften aus verschiedenen Einrichtungen durchgeführt wurde.

Verletzungen in über 70% der befragten Betriebe
Safety First DeutschlandDie Initiative SAFETY FIRST! Deutschland wurde vor zehn Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Öffentlichkeit auf die Gefahr durch Nadelstichverletzungen hinzuweisen. Beschäftigte des Gesundheitswesens wie Ärzte, medizinische Fachangestellte und Krankenschwestern, aber auch Mitarbeiter aus Pflegeheimen oder ambulanten Pflegediensten stellen hier eine besonders stark gefährdete Gruppe dar. Ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht besonders in Situationen, in denen die Mitarbeiter Hektik und Stress ausgesetzt sind – wie es bei der tagtäglichen Pflegearbeit durch den hohen Leistungsdruck oft genug der Fall ist. So ereigneten sich trotz eines hohen Schutzniveaus in 73% der Pflegeeinrichtungen Nadelstichverletzungen. Außerdem gaben knapp 60% der Befragten an, sich schon selbst einmal an einer Nadel verletzt zu haben. Als häufigste Verletzungsursache nannten die Befragten Injektionen (40%), aber auch die Entsorgung von medizinischen Instrumenten oder das Blutzuckermessen.

Ein Drittel der Arbeitgeber vernachlässigt seine Informationspflicht
Berufliche Hektik und Stress stellen allerdings nicht den einzigen Risikofaktor dar: die Ergebnisse der Studie lassen den Rückschluss zu, dass auch ein Mangel an Aufklärung und fehlende Schulungen Teil der Problematik sind. So gaben zwar 94% der befragten Arbeitnehmer an, über Nadelstichverletzungen und deren Folgen aufgeklärt zu sein; bei den Betrieben erklärten allerdings nur zwei Drittel (63%), ihre Mitarbeiter umfassend zu der Problematik und zu möglichen Sicherheitsmaßnahmen zu schulen. Angestellte, denen dieses Angebot nicht zur Verfügung stand, sahen sich so gezwungen, ihre Informationen aus anderen Quellen wie der Fachpresse oder von Kollegen und Betroffene zu beziehen. Auch scheinen noch nicht alle von der TRBA 250 (Technische Regeln für biologische Arbeitsstoffe) vorgeschriebenen Verhaltensregeln den Weg in die Umsetzung im beruflichen Alltag gefunden zu haben. So praktizierten zum Beispiel 30% der Befragten regelmäßig die mittlerweile verbotene Praxis des sogenannten „Recappings“, also dem Wiederaufsetzen der Schutzkappe nach dem Gebrauch der Nadel, welches eine der häufigsten Quellen für infektiöse Stichverletzungen darstellt.

Umfrage Nadelstichverletzung

Fehlende Sicherheitsinstrumente im Berufsalltag
Ein weiteres Indiz für eine mangelnde Umsetzung des Arbeitsschutzes ist der nach wie vor mangelnde Einsatz von Sicherheitsinstrumenten. War deren Verwendung früher eher als Empfehlung formuliert, sind Arbeitgeber in der stationären oder ambulanten Altenpflege seit der Novellierung der TRBA 250 verpflichtet, ihren Mitarbeitern verletzungssichere Instrumente zur Verfügung zu stellen. Welches Instrument in der Praxis aber tatsächlich zum Einsatz kommt, konnten zwei Drittel der befragten Angestellten nicht selbst beeinflussen, da sie die Arbeitsmittel verwenden mussten, die dem jeweiligen Patienten vom Hausarzt verschrieben wurden. Die Sicherheit der Pflegekräfte steht für die Ärzte bei der Verordnung allerdings selten im Fokus, so dass immer noch häufig Instrumente zum Einsatz kommen, die den Sicherheitsanforderungen nicht entsprechen.

Mehr Aufklärung und Kontrollen notwendig
Als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie befürwortet SAFETY FIRST! nun verstärkte Kontrollen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen durch die zuständigen Aufsichtsbehörden wie zum Beispiel Medizinischen Diensten, Krankenkassen oder den Gewerbeaufsichtsämtern. Zusätzlich fordert die Initiative eine umfassende und flächendeckende Schulung aller Pflegekräfte durch den jeweiligen Arbeitgeber sowie die Aufnahme der Inhalte der TRBA 250 in die Pflegeausbildung – mit der Hoffnung, dass diese Ansätze dazu beitragen, Nadelstichverletzungen im Pflegeberuf in Zukunft minimieren zu können.

Sämtliche Ergebnisse der Studie finden Sie hier:
Auswertung der Umfrageergebnisse "Nadelstichverletzungen in der Altenpflege“

Foto Copyright: olexandre/fotolia

30Jan/15

Große Gehaltsunterschiede in der Pflege

Gehalt in der PflegeDas Pflegefachkräfte gerade in der Altenpflege gegenüber anderen Branchen schlechter bezahlt werden ist kein Geheimnis. Aber auch innerhalb der Pflegebranche gibt es enorme Gehaltsunterschiede, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit dem Titel „Was man in den Pflegeberufen in Deutschland verdient“ nun zeigt.

Passenderweise ist die Studie mit „Viel Varianz“ übertitelt, denn die Bezahlung von Kranken- und Altenpflegern variiert nach Beschäftigungsort, beruflicher Qualifikation, Geschlecht und Arbeitgeber. Wie auch in anderen Branchen besteht ein Gehaltsgefälle von West nach Ost und dementsprechend auch zwischen den Bundesländern. Zudem werden männliche Fachkräfte grundsätzlich besser bezahlt als weibliche Beschäftigte. Der Unterschied fällt bei Krankenpflege größer aus als in der Altenpflege.

Situation bei Pflege- und Krankenhelfern
Deutschlandweit werden Arbeitnehmer in der Altenpflege schlechter bezahlt als in der Krankenpflege. So liegt der Unterschied im Osten bei 28,9 Prozent und im Westen bei 18,2 Prozent. Damit verdienen Fachkräfte in der Altenpflege nur geringfügig mehr als Helfer in der Krankenpflege.

Generell werden Helfer in der Kranken- sowie in der Altenpflege schlechter bezahlt. Das Entgelt liegt jeweils 20 Prozent unter dem jeweiligen mittleren Einkommen aller Beschäftigten. Betrachtet man alle Berufe, sind es sogar zwischen 35 und 40 Prozent.

Positive Entwicklungen
Kranken- und PflegehelferPositiv zu vermerken ist hierbei jedoch, dass das Mediangehalt gegenüber anderen Helferbeschäftigten deutschlandweit um ungefähr 13 Prozent überschritten wird. Eine Helferausbildung in der Kranken- und Pflegebranche ist also gegenüber anderen Helferausbildungen im Vorteil.

Doch die Studie zeigt auch gute Entwicklungen gerade im Bereich der Krankenfachkräfte. So verdienen Fachkräfte in der Krankenpflege in den neuen Bundesländern im Durschnitt 30,4 Prozent mehr als andere Fachkräfte. In Westdeutschland liegt die Differenz immer noch bei fast 10 Prozent.

Der Lohn differiert aber nicht nur nach Berufsqualifikation, sondern auch nach Arbeitgebertyp. So bezahlten ambulante Pflegedienste bis zu 30 Prozent weniger als Krankenhäuser.
Laut Studie ist auch die Motivation für eine Teilzeitbeschäftigung in Ost und West unterschiedlich. Während im Westen oftmals die persönliche bzw. familiäre Situation ausschlaggebend für eine Beschäftigung in Teilzeit ist, sind im Osten häufiger unfreiwillige Teilzeitbeschäftigungen anzutreffen.

19Jan/15

Der Pflegeblogger-Ratgeber: Seniorenbetten

SeniorenbettenMit schwindender Beweglichkeit stellt sich für viele Senioren die Frage nach geeigneten Hilfsmitteln für den häuslichen Alltag. Ein Aspekt fällt hierbei schnell ins Auge: das Seniorenbett.

In den meisten professionellen Pflegeeinrichtungen gehört ein spezielles Pflegebett zur Standardausrüstung, doch auch in der häuslichen Pflege kann es den Alltag sehr erleichtern. Dabei ist ein Seniorenbett nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem oft sehr steril wirkenden Pflegebett, hat aber ähnliche Vorzüge.

Was ist ein Seniorenbett?
Diese speziellen Betten unterscheiden sich zu normalen Betten hauptsächlich durch besondere Funktionen und einen besonderen Komfort. Was genau zu einem richtigen Seniorenbett bzw. Pflegebett gehört ist durch verschiedene Normen vielfach geregelt. Um Ihnen die komplizierten Normen zu ersparen, wollen wir Ihnen kurz die wichtigsten Merkmale aufzeigen.

Die erste Besonderheit ist die Höhe des Bettes, die bei 40-50 cm liegt und damit wesentlich höher als bei einer normalen Ausführung. Dies erleichtert das morgendliche Aufstehen enorm und vermeidet unnötige Schmerzen. Man steht auf wie von einem Stuhl.
Auch die Liege- bzw. Sitzposition lässt sich bei einem Seniorenbett, dank eines speziellen Lattenrostes, per Fernbedienung verstellen und anpassen. So kann man sich beispielsweise aus einer geraden Liegefläche in eine angenehmere Sitzposition bringen lassen. Dadurch können auch Massagen oder bestimmte Pflegevorgänge einfacher durchgeführt werden. Bei Bedarf lässt sich zusätzlich ein Haltegriff installieren, der zusätzliche Unterstützung bietet.

Was ist bei der Anschaffung zu beachten?
SeniorenbettDa ein Seniorenbett ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens werden kann, sollte man bei der Anschaffung besonders auf Qualität und perfekten Komfort achten. Gute Seniorenbetten fördern die Gesundheit und sorgen für bestmögliche Erholung.

Leider können diese speziellen Betten sehr kostspielig sein. Damit der Kauf nicht zu einer finanziellen Belastung führt, sollte man die verschiedenen Fördermöglichkeiten kennen. So kann solch ein Bett auch vom Arzt für den Patienten verordnet werden, wenn es gesundheitlich begründet werden kann. Besteht schon eine Pflegestufe der Klassen I bis III, ist es auch möglich, das Bett direkt bei der Krankenkasse zu beantragen. In der Regel ist bei den Anschaffungskosten eine Selbstbeteiligung von 10 Prozent vorgesehen. In besonderen Ausnahmefällen ist auch eine komplette Kostenübernahme der Krankenkasse möglich.

Mittlerweile können Senioren- und Pflegebetten nicht mehr nur im stationären Handel erworben werden, sondern auch problemlos im Internet, beispielsweise bei www.dormando.de, bestellt werden. Auch gebrauchte Betten sind, ausgestattet mit einer neuen Matratze, eine günstigere Alternative.

9Jan/15

Neue Regelungen bei der häuslichen Pflege

pflege_1Wer Angehörige zu Hause pflegt, weiß um die Schwierigkeiten und die Herausforderungen, die diese Aufgabe mit sich bringt.

Die Organisation zum Beispiel von ärztlichen Gutachten und ambulantem Pflegedienst kostet Zeit und Kraft. Gerade in Kombination mit einer Berufstätigkeit treten daher oft Probleme auf.

Für die häusliche Betreuung von pflegebedürftigen Menschen gibt es seit Beginn dieses Jahres mit dem „Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf“ neue Regelungen. Das Gesetz sieht unter anderem eine bezahlte Auszeit vom Beruf für die familiäre Pflege sowie andere Maßnahmen zur Unterstützung von Angehörigen vor.

Neuerungen 2015
Ein großer Fortschritt in der Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf ist die Lohnersatzleistung bei Kurzzeitpflege. Hierbei wird für einen Zeitraum von maximal zehn Tagen bis zu 90 Prozent des Nettolohns gezahlt. Dieser Lohnersatz ist bei der jeweiligen Pflegekasse beantragt werden.

Wer seine Angehörigen länger Pflege muss oder will kann hat ab jetzt außerdem das Recht auf eine Sechs monatige Auszeit vom Job, mit Jobgarantie aber ohne Lohnfortzahlung und nur bei Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern.

Pflege NeuerungenUm die Auszeit zu finanzieren, kann beispielsweise beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein zinsloses Darlehen beantragt werden. Auch muss der Wiedereinstieg in den Beruf nicht sofort vollständig erfolgen. In der ersten Zeit kann die Wochenarbeitszeit auf 15 Stunden begrenzt werden. Allerdings darf die gesamte Dauer von Auszeit und Teilzeit nicht 24 Monate überschreiten.

Darüber hinaus können Pflegende auch steuerliche Vorteile von bis zu 924 Euro im Jahr geltend machen. Dieser jetzt schon bestehende Vorteil soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden, indem Bonusleistungen des Arbeitgebers für die Pflege steuerfrei werden sollen.

Pflegeversicherungsbeiträge steigen
Finanziert wird das 100 Millionen Euro teure Programm durch höhere Pflegeversicherungsbeiträge. Der Beitragssatz steigt mit Jahresbeginn um 0,3 Prozent auf 2,35 Prozent vom Bruttogehalt, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Eine Ausnahme stellen kinderlose Steuerzahler dar, die 0,25 Prozent alleine tragen.

28Nov/14

Engagement für Auszubildende mit ausländischen Wurzeln zahlt sich aus

Vielfalt gelingtDie Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) ist Gewinner des Preises „Vielfalt gelingt“, den Arbeitgeberverbände, Landkreistag und Gewerkschaften in Baden-Württemberg am 20. November erstmals vergeben haben. Damit werden die Verdienste um die Ausbildung junger Migranten gewürdigt.

Die WGfS betreut in Filderstadt mit 200 Mitarbeitern aus 21 Herkunftsländern 134 Senioren stationär und 60 ambulant. Pro Jahr werden zehn bis 15 Altenpfleger und -pflegehelferinnen ausgebildet, von denen zwei Drittel einen Migrationshintergrund haben. Nach Geburtsland stellen Rumänen, Polen und Philippinos die größten Nationen, weil zum Beispiel viele türkische Mitarbeiter bereits in Deutschland geboren sind. Diese Betrachtung zeigt schon, wie differenziert das Thema zu sehen ist. Arbeitet etwa ein Ghanese oder eine Libanesin bei der WGfS, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieser Mitarbeiter weitere Interessenten aus seinem Kulturkreis bringt.

Integrationspreis WGfS
(Freuen sich über ihren Integrations-Preis: Birgit Schweizer (v.l.), Sabine Hertler, Rosemarie Amos-Ziegler und Klaus Ziegler. FOTO: Niedermüller)

Am Donnerstag (20.11.2014) würdigten das Integrationsministerium des Landes Baden-Württemberg und der Paritätische Wohlfahrtsverband diese Vielfalt im Kleinen Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt. 31 Firmen, Sozialunternehmen und Kommunen hatten sich in fünf Kategorien beworben. Unter der Schirmherrschaft von Ministerin Bilkay Öney siegte die Porsche AG in der Kategorie großer Unternehmen, bei den sozialen Einrichtungen war dies die WGfS.

Bei dem Seniorenheim überzeugte die Jury das Bündel von Maßnahmen, das von Teamentwicklungsprozessen zur Integration bis zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement reicht. Interkulturelles Training, so Heimleiterin Rosemarie Amos-Ziegler bei der Preisverleihung, spielt eine große Rolle. So lernen zum Beispiel muslimische Mitarbeiterinnen, entgegen der Tradition in ihren Herkunftsländern, Männer pro-aktiv anzusprechen und Blickkontakt zu halten, wenn diese Patienten oder Angehörige sind. Das gebiete die Höflichkeit im hiesigen Kulturraum.

„Der Dienst am Menschen ist eine wundervolle Basis, interkulturell und interreligiös voneinander zu lernen,“ sagt Amos-Ziegler, die den privaten Betreiber 1987 gegründet hat. Im Team verbesserten neue Mitarbeiter schnell ihre Sprachfertigkeit. Und Wertschätzung erhalten und lernen die Azubis über Lobkärtchen und persönliche Mentoren, die speziell multikulturelle Themen im Blick haben.

6Nov/14

Qualität in der Pflege messen und erkennen: Noten-System des Medizinischen Dienstes für irreführend erklärt

Pflege TÜV

Hinter vorgehaltener Hand waren sich die Betreiber von Pflegeheimen seit Jahren einig: Das Noten-System des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) sagt nichts über die Qualität einer Einrichtung aus. Doch weil dies nur Insider wussten und die meisten Häuser Bestnoten erzielten – der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1,3 - , hatte niemand ein Interesse, seinen Einser zu hinterfragen.

Nun hat aber Karl-Josef Laumann (CDU), Pflege-/ Patientenbeauftragter der Bundesregierung, anlässlich einer Diakonie-Tagung in Bochum den sogenannten Pflege-Tüv für gescheitert und die Noten für irreführend erklärt. Der Grund: Pflege-Fehler oder eine mangelnde Betreuung könnten durch gute Dokumentation oder weiche Kriterien ausgeglichen werden. Denn jede Pflegeeinrichtung wird seit 2009 einmal im Jahr vom MDK auf aktuell 77 Punkte hin geprüft. Am Ende gibt es eine Note, die die Qualität der Einrichtung widerspiegeln soll. Die Skala reicht von eins bis fünf.

Viele Berichte wurden über den Pflege TÜV schon gesendet, zum Beispiel auch von Marktcheck im SWR. Einleitung:

"Eine Frau stirbt in einem Seniorenheim. Ihr Freund behauptet, sie hätte bei besserer Versorgung länger leben können. Angehörige eines anderen Bewohners erheben ähnliche Vorwürfe. Doch im Qualitätsbericht des sogenannten Pflege-TÜV schneidet das Heim bestens ab. Wie aussagekräftig ist diese Benotung? Und was können Angehörige tun?"

Und nun?

Damit stellt sich die Frage, woran potentielle Kunden künftig festmachen können, ob eine Einrichtung qualifiziert ist. Die Branche und die Politik treibt das Thema seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 um. Damals definierte der Bundestag erstmals Kriterien zur Qualitätssicherung in der Altenpflege. Denn ab nun floss über die sozialversicherungspflichtige Umlage quasi öffentliches Geld in das Pflegesystem, über dessen Verwendung die Heimanbieter öffentlich Rechenschaft ablegen mussten. Die Heimaufsicht der kommunalen Sozialämter prüft einmal jährlich, ob die gesetzlich vorgeschriebenen baurechtlichen, pflegerischen und sozialen Standards eingehalten sind. Zunehmend entstand ein Markt und durch den demographischen Wandel wuchs die Nachfrage, so dass immer neue Anbieter hinzukamen, deren Zulassung und Befähigung geprüft werden muss.

Parallel zur Einführung der Pflegeversicherung reflektierten kirchliche und andere Träger seit 1995, wie sie ihre sozialen und ethischen Qualitätsstandards mess- und vergleichbar machen, um sich im Markt zu differenzieren und ihre Leistung sichtbar zu machen. So entstanden parallel auf verschiedenen Ebenen diverse Siegel und Zertifikate, mit denen Träger wie Diakonie, Caritas, AWO, DRK, kommunale oder private Träger für sich warben. Wegen deren Vielfalt fehlen letztlich aber jedem Label bis heute am Markt Bekanntheit, Vergleichbarkeit und inhaltliche Aussagekraft. Auch die Orientierung an der DIN ISO 9001, die im industriellen Umfeld Qualität dokumentiert, griff für die Pflege zu kurz, weil es hier nicht nur um reproduzierbare Prozesse geht, sondern um pflegebedürftige Menschen mit individuellen Einschränkungen und Bedürfnissen.

IQD-Vorläufer war der Pionier

Aus der evangelischen Paul-Lempp-Stiftung und der kommunalen Kleeblatt Consult in Stuttgart heraus entwickelten führende Köpfe 1996 als Erste ein Qualitätssiegel, das rund 220 Kriterien aus den Bereichen Gebäude, Organisation, Pflege, soziale Betreuung und Hauswirtschaft umfasste. Um dieses in der Breite zu bewerben und unabhängig agieren zu können, gründeten die Partner ein Jahr später das IQD, Institut für Qualitätskennzeichnung von sozialen Dienstleistungen, als eigenständiges Unternehmen.

Aktuell gibt es bundesweit rund 12.000 ambulante Dienste und 11.600 Pflegeheime, von denen rund 2500 zertifiziert sind. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Berlin listet aktuell auf seiner Homepage 20 Anbieter von Siegeln und Zertifikaten auf. Wirklich relevant, insbesondere wenn es um echte Zertifizierungen geht, sind dabei nur TÜV (980), AWO (345), IQD (306) und Diakonie (224). Mit 1400 Testaten ist der Grüne Haken, den die BIVA, die einzige bundesweite Interessenvertretung von Heimbewohnern vergibt, zwar der populärste, erreicht in der Tiefe aber nicht die Qualität eines Zertifikats.

Ohnehin sind die Siegel und Zertifikate untereinander nur schwer vergleichbar. Wo einige hochdifferenziert in die Tiefe der Prozesse gehen, sind andere oberflächlich, ohne Aussagekraft oder schlicht kaufbar. Das ZQP, das der Verband privater Krankenversicherer 2009 gegründet hat, veröffentlicht voraussichtlich im Januar 2015 eine Datenbank mit allen Anbietern. Diese soll eine formale Übersicht bieten, wer was anbietet, welche Inhalte analysiert werden und wer prüft.

Fünf Bereiche werden bewertet

So gewichten auch alle Anbieter die fünf Bereiche Gebäude, Organisation, Pflege, soziale Betreuung und Hauswirtschaft unterschiedlich. Dass das IQD aber bspw. rund 60 Prozent über die gesetzlichen Vorgaben in seiner Zertifizierung hinaus geht, verdeutlicht die Komplexität der Thematik. Nur so ist es auch zu erklären, dass Häuser, die bei den 2011 eingeführten jährlichen Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) teils Bestnoten erhalten, bei manchen Zertifizierern auf dieser Basis durchfallen.

Preis nicht ausschlaggebend

Interessierte Pflegefachkräfte, meist mit Potential zur Führungskraft, wissen schon heute um die Aussagekraft vieler Zertifikate. Nicht umsonst werben immer mehr Arbeitgeber in ihren Stellenausschreibungen mit ihrem Testat, das meist nach zwei bis drei Jahren erneuert werden muss und das je nach Größe des Hauses meist zwischen 2000 und 5000 Euro kostet. In der Regel ist nicht dieser Preis ausschlaggebend, für welches Verfahren sich ein Träger entscheidet. Viel wichtiger ist der personelle Aufwand, den ein Haus treiben muss, um reif für die Zertifizierung zu sein oder auch die täglich zu erbringenden Vorgaben, die für die Re-Zertifizierung erforderlich sind. Andererseits gewinnen die Labels im Wettbewerb um Kunden an Bedeutung, zumal zunehmend Häuser in ihre Kommunikation investieren, die bei manchen Zertifizierungen Teil des Kriterienkatalogs ist.

Mehr oder weniger umfänglich sind die Parameter, auf die die Zertifizierer achten. Mit in Summe rund 440 Kriterien liegt das IQD hier an der Spitze. Denn bereits an Fragestellung und Blickwinkel kann man erkennen, worauf der Fokus der jeweiligen Prüfer liegt. Wer etwa eine Türrahmenbreite misst, hat noch nicht erfasst, ob ein Rollstuhlfahrer hier ohne fremde Hilfe passieren kann. Oder wer abfragt, ob Haustiere zugelassen sind, weiß damit noch nicht, ob neben dem Aquarium im Gemeinschaftsraum auch der Hamster des Bewohners auf seinem Zimmer zulässig ist. Und ob auch die Versorgung dieses Nagers gesichert ist.

Gemeinsam ist allen Zertifizierungsverfahren, unabhängig davon wie sie die einzelnen Bereiche gewichten, dass sie fünf Felder beleuchten: Gebäude, Organisation, Pflege, soziale Betreuung und Hauswirtschaft.

Erster Bereich: Das Gebäude
Hier geht es vor allem um baurechtliche Vorgaben wie Höhen, Längen und Breiten, die im Gesetzbuch ohnehin geregelt sind. Einige Zertifizierer, die vor allem den Bewohner im Blick haben, achten hier auch darauf, dass etwa das Pflegebad nicht nur funktional ist, sondern ansprechend gestaltet ist bis hin zu den Fliesen. Oder dass es einen Außenbereich gibt, der nicht nur behindertengerecht ist, sondern überdachte Flächen hat, die Schatten spenden und vor Regen schützen.

Zweiter Bereich: Die Organisation
Hier geht es nicht nur um die Bestandteile des Heimvertrags und das Rechnungswesen: Steht auf der Rechnung bspw. ein Ansprechpartner mit Durchwahlnummer und Erreichbarkeit? Ernsthafte Zertifizierer fragen nach dem System der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, nach separaten Checklisten für Fach- und Hilfskräfte in der Pflege oder Küchen- und Reinigungskräfte in der Hauswirtschaft. Wird dabei auf die Bewohnerorientierung geachtet? Wie wird die Einarbeitung dokumentiert? Wird diese Phase reflektiert? Gibt es ein Beschwerdemanagement? Gibt es überhaupt ein Qualitätsmanagement, was beinhaltet dieses und von welchen Prinzipien ist es getragen? Manche Anbieter durchleuchten auch die Öffentlichkeitsarbeit vom Aufbau der Internetseite bis zum Kommunikationskonzept und achten dabei etwa auf Transparenz. Erfasst werden auch ökologische Aspekte wie Verbrauch an Strom, Heizung und Wasser und was mit diesen Daten passiert, Stichwort Controlling. Dazu gehören Aspekte wie Wirtschaftlichkeit bzgl. Budgets, Personalschlüssel, Arbeitssicherheit und Gesundheitsprävention. Findet z.B. die betriebsärztliche Untersuchung jährlich statt, wird zum Infektionsschutz geschult, lassen sich die Mitarbeiter regelmäßig impfen? Werden Gefährdungen beurteilt (Medizinprodukte-Betreiberverordnung, Gefahrstoffmanagement, Hygiene-, Brandschutzverordnung etc.)? Gibt es ergonomische Hilfsmittel, z.B. Lifter, und werden diese regelmäßig gewartet? Gibt es einen Notfall- und Alarmierungsplan?

Dritter Bereich: Die Pflege
Hier interessieren die Prüfer die konzeptionellen Grundlagen sowie räumliche, sächliche und personelle Ausstattung. Im Detail geht es darum, wie Informationen fließen; ob und wie Schüler in der Praxis angeleitet werden; Qualifikationen und die Fachkräftequote (mind. 50 %) werden erfasst und das Pflegedokumentationssystem hinterfragen die Zertifizierer. Dies umfasst Aspekte wie Pflegeplanung, Ernährung, Dekubitus-Prophylaxe, Sturzprävention, Wundmanagement, Kontinenzsituation, freiheitseinschränkende Maßnahmen (z.B. rechtliche Grundlage dafür vorhanden oder Alternativen wie Niederflurbetten oder Sensoren geprüft), Schmerzmanagement, Behandlungspflege (medizinische Versorgung), Demenzbetreuung (Konzept? Fortbildung der Mitarbeiter?), Besprechungswesen (Protokolle, die dann auch alle lesen), Dienstpläne (stimmen immer Betreuungsschlüssel und Fachkräftequote?), Medikamentenmanagement (Ausgabe, Lagerung, Kühlung, Sicherung, Dokumentation, Bestandsabgleich bei Betäubungsmitteln).

Vierter Bereich: Die soziale Betreuung
Hier wollen die Prüfer wissen, ob es ein Konzept für die Tagesgestaltung gibt, wie dieses aussieht, wie viel Personal dafür zur Verfügung steht und ob dieses qualifiziert ist. Zertifizierer, die in die Tiefe gehen, fragen nach einer Checkliste zum Einzug neuer Bewohner, ob diese in der Eingewöhnungsphase unterstützt werden und ob diese Phase nach ca. zwei Monaten ausgewertet wird. Auch fragen sie nach einem Konzept für die Abschiedskultur oder Sterbebegleitung, ob es Kooperationen mit Hospizdienst oder Seelsorgern gibt oder Rituale für die Mitbewohner zur Verabschiedung, z.B. Trauerbuch oder Andacht. In solchen Bereichen lassen die Handbücher viel Raum für Kreativität und bieten Zertifizierern auf Grund ihrer breiten Einsicht in Häuser viele Anregungen. Das gilt auch für Gruppenangebote, Hausveranstaltungen oder Ausflüge. Prüfer wollen wissen, ob es Angebote am Wochenende oder für Bettlägrige gibt, aktuelle Tageszeitungen oder Kooperation mit Ehrenamtlichen und wie diese gewonnen, geschult, begleitet, gefördert und eingesetzt werden. Auch den Aspekt, ob Migranten spezifisch gewürdigt werden, fragen Zertifizierer zunehmend ab. In diesen Themenbereich gehören auch die Ansprechbarkeit für Angehörige; Kooperationen mit Schulen, Vereinen oder Kirchen; und die Stellung des Heimbeirats.

Fünfter Bereich: Die Hauswirtschaft
Auch hier steigen Prüfer am liebsten über ein Konzept und dessen Qualität in die Zertifizierung ein. Zentral sind hier die Mahlzeiten, wann, wo und wie diese eingenommen werden; ob es Zwischenmahlzeiten gibt (auch nachts); Wahlessen; der Speiseplan vom Rollstuhlfahrer lesbar ist; Wünsche berücksichtigt werden; welche Getränke zuzahlungsfrei wann und wo verfügbar sind etc. Quasi als Gegenprobe fragen manche Zertifizierer gerade in diesem Bereich auch die Bewohner, wie zufrieden sie sind oder was sie kritisieren. Dazu zählen die Gestaltung des Speisebereichs, Geschirr, Tischdecken, Servietten, Erscheinungsbild des Personals etc. Die Hausreinigung spielt auch eine Rolle, wann wo was wie oft geputzt wird; ob Angehörige in den Reinigungsplan Einsicht nehmen dürfen und ob Belange der Bewohner beim Reinigen berücksichtigt werden (Flexibilität). Das gilt auch für die Wäscheversorgung, ob etwa eigene Bettwäsche zulässig ist; ob die Wäsche binnen 14 Tagen aus der Reinigung zurück ist und kleine Ausbesserungen erledigt werden. Dasselbe gilt für die Haustechnik, z.B. Verfügbarkeit von Hausmeister oder Handwerker bei Störfällen von Sanitär, Heizung, Aufzug etc. Gibt es Notfallpläne, Telefonlisten, Notstromaggregat und wird dieses regelmäßig gewartet?

ISO DIN 9001 greift zu kurz
Während die DIN ISO 9001 eine Norm ist, auf die sich Hersteller verständigt haben, um untereinander dieselbe „Sprache“ zu sprechen, liegt die Wurzel der Pflegezertifizierung im Pflegegesetz. ISO hat also den Blick lückenlos auf den Prozessen, während in der Pflege nur die gesetzlichen Vorgaben, z.B. Baurecht, und weitere als relevant erachtete Prozesse betrachtet werden. Letztere gewichtet jeder Zertifizierer anders, z.B. eher aus Sicht des Betreibers (Effizienz), der Bewohner (Lebensqualität) oder der Mitarbeiter (Arbeitsplatzzufriedenheit). Ein weiterer Unterschied zwischen ISO und Pflege: Die Norm dokumentiert nur die Prozesse, während bei der Pflege die Qualität des Ergebnisses im Mittelpunkt steht. Deshalb ist die Befragung von Mitarbeitern und Bewohnern wichtig, wenngleich dies stets subjektive und situative Aussagen sind, z.B. ob das Essen schmeckt oder der Mitarbeiter freundlich ist.

Sinn der Zertifizierung in der Pflege ist letztlich die Reflexion des eigenen Handelns: Ist an alles gedacht? Worin kann ich besser werden? Unter diesen Prämissen werden alle Bereiche durchleuchtet und vom externen Zertifizierer wird gespiegelt, wo Verbesserungspotentiale liegen. So werden häufig Reibungsverluste zwischen Hauswirtschaft und Pflege; Küche und Reinigung oder Pflege und sozialer Betreuung sichtbar. Damit dient die Zertifizierung dazu, Störungen zu beseitigen und durch die Re-Zertifizierung immer frühzeitiger pro-aktiv Störpotentiale zu eliminieren. Wird sie diesem Anspruch gerecht, ist sie deutlich mehr als kostendeckend.

Eine Übersicht zu Siegeln und Zertifikaten in der Langzeitpflege gibt es hier als PDF: