4Jan/12

Neues Jahr, neues Gesetz: Familienpflegezeit

Familienzeit MinisteriumHallo zusammen,

erstmal ein frohes neues Jahr allerseits. Ich hoffe, ihr seid gut ins Jahr 2012 (was ja bekanntlich großartig wird) gestartet. Und wie es ja jedes Jahr zum 01. Januar der Fall ist, sind auch 2012 zahlreiche neue Gesetze in Kraft getreten. Darunter eines zur Familienpflegezeit. Noch vor knapp 2 Wochen hatte ich ja hier berichtet, dass die Vereinbarkeit und Pflege und Beruf in kaum einem Unternehmen richtig geregelt ist. Zwar schafft das Gesetz jetzt auch keinen Zwang für Unternehmen, ihren Mitarbeitern die Familienpflegezeit auch zuzugestehen, aber sicherlich erhöht es die Bereitschaft der Firmen.

Vorgängermodell seit 2008
Wie ihr vielleicht wisst, gibt es schon seit dem 01.07.2008 einen Anspruch auf Pflegezeit. Bislang konnten sich Beschäftigte für die Pflege naher Angehöriger für maximal sechs Monate komplett oder teilweise von der Arbeit frei stellen lassen. Während der Freistellung erhielten sie aber bisher kein Gehalt. Und hierauf liegt nun der Schwerpunkt des neuen Gesetzes zur Familienpflegezeit

Familienpflegezeit – Wie funktioniert das?
Künftig können Arbeitnehmer zur Pflege ihrer Angehörigen ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Wochenstunden reduzieren und erhalten ein angepasstes Gehalt vom Unternehmen. Dieses angepasst Gehalt ist in meinen Augen gut geregelt. Als Beispiel: Arbeitet man nur noch die Hälfte und pflegt in der anderen, freigewordenen Zeit eine Person in der Familie, dann erhält man dennoch 75% seines Gehalts. Die finanziellen Einbußen sind also nicht allzu hoch. Im Gegenzug muss man dann aber natürlich auch, wenn man wieder mit voller Stelle/ Arbeitszeit in die Arbeitswelt zurückkehrt, 100% arbeiten und erhält nur 75% seines Gehalts. Das gilt entsprechend so lange, bis die Minuszeit auf dem Zeitkonto aufgebraucht ist. Wer also kräftig Überstunden schiebt, kann seine Minusstunden schneller abbauen.

Familienpflegezeit Familienpflegezeit Modell

Für alle, die jetzt zum Chef gehen wollen und die Familienpflegezeit verlangen: Es gibt leider keinen Rechtsanspruch auf Gewährung, sondern man ist noch darauf angewiesen, dass das Unternehmen mitspielt. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an dieser eigentlich (wie ich finde) sehr guten Regelung. Also dann mal lieber nett und vorsichtig als allzu fordernd beim Chef anfragen. Dann klappts auch mit der Familienpflegezeit :)

Hier noch eine Ergänzung in Videoform, die auch einen guten Einblick bzw. Überblick über das Thema gibt:

16Dec/11

So viele Studien – ein Überblick

Überblick Studien Pflege und GesundheitIn den letzten Wochen habe ich ja zwei Artikel zu verschiedenen Studien hier und hier veröffentlicht und kommentiert. Bei der täglichen Recherche sind mir aber noch weitere Studien aufgefallen, die ich euch nicht enthalten möchte und daher mal einen Überblick gebe:

Gesundheitsberufe belasten das Wohlbefinden
Leider ist das Ergebnis einer Studie, die im Rahmen einer Erhebung zum Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitor erstellt wurde, nicht sooo überraschend für mich: Das Arbeiten in Pflege- und ähnlichen Berufen macht kaputt/ krank. Neun von zehn Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen haben körperliche Beschwerden, hat die Studie herausgefunden. Besonders negativ betroffen sind innerhalb dieser Gruppe die Pflegeberufe und hier wiederum insbesondere der Bereich der Alten- und Behindertenpflege. Und welche Beschwerden führen das nicht so schöne Ranking der häufigsten Krankheiten an? Wollt ihr raten? Richtig, es sind Rückenschmerzen und Verspannungen. Und die körperlichen Probleme sind nicht das Einzige: Während die Gesamtheit der unselbstständig Beschäftigten bzw. der Gesundheitsberufe zu 33 Prozent keine psychischen Beschwerden hat, ist dies nur bei 24 Prozent der Alten-und Behindertenpfleger und 27 Prozent der Krankenpfleger der Fall.

Wer ausführliche Infos lesen möchte: Quelle

Deutsche fürchten Verfall des Gesundheitssystems
Das Allensbacher Institut für Demoskopie und die Bundesärztekammer haben unter rund 1800 Bundesbürgern und mehr als 500 Ärzten eine Umfrage zum Gesundheitssystem durchgeführt. Die Ergebnisse und dementsprechend die Erwartungen der Menschen an die Gesundheitsversorgung in der Zukunft sind eher düster. Es mag jetzt dahingestellt sein, ob man eher die negativen als positiven Ergebnisse veröffentlicht hat, denn die Studie wurde für den Finanzdienstleister MLP erstellt, der ja bekanntlich unter anderem davon lebt, private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen zu verkaufen.

Aber zurück zur Studie und das Positive zuerst: 72 Prozent der Bevölkerung und 88 Prozent der Ärzte sind mit der aktuellen Versorgung zufrieden. Aber ob das auch in Zukunft so bleibt, stellen viele in Frage. 79 Prozent erwarten steigende Kassenbeiträge und eine verschärfte „Zwei-Klassen-Medizin“, 78 Prozent höhere Zuzahlungen für Medikamente und 46 Prozent der Ärzte und 43 Prozent der Bevölkerung sind skeptisch, ob es der Politik in der Zukunft gelingt, eine gute Versorgung für alle Pflegebedürftigen sicherzustellen.

Wer weitere Ergebnisse lesen möchte: Quelle

Gesundheitssystem Studie

Wohnen im Alter
Zum Schluss eine schon etwas ältere Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Im Rahmen der Erhebungen zur Studie "Wohnen im Alter – Marktprozesse und wohnungspolitischer Handlungsbedarf" Ein Ergebnis der Studie ist unter anderem, dass bisher lediglich 1 Prozent der Wohnungen altersgerecht gebaut und ausgestattet sind. Es geht also unter anderem darum, ob die Wohnung barrierefrei ist, also beispielsweise die schöne Waschmaschine nicht zu sehr im Weg steht und somit ein Risiko zum Stolpern darstellt. Oder ob die Stufen in der Wohnung gut genug gekennzeichnet sind oder ob es im Bad genügend Bewegungsfläche gibt.

Wer ausführliche Infos lesen möchte: Quelle (PDF)

24Nov/11

Die Pflegereform und das, was von ihr übrig blieb

Eckpunkte PflegereformHeute beschäftige ich mich mal wieder mit Politik. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch (16.11.2011) die Eckpunkte zur Umsetzung der Pflegereform beschlossen. Nach monatelangem Hin und Her hat der Bundesminister für Gesundheit, Daniel Bahr, endlichdie Eckpunkte vorgestellt. Ich habe mir mal die Eckpunkte angeguckt und gebe folgend eine kleine Zusammenfassung.

Schwerpunkt: Demenzkranke
Ihren Schwerpunkt hat die Pflegereform in der Besserstellung von derzeit 1,4 Millionen Demenzkranken in Deutschland. Bisher erfolgten Leistungen aus der Pflegeversicherung nur bei körperlichen Beeinträchtigungen; damit schieden Demenzkranke begrifflich aus dem Leistungsspektrum aus. Aus diesem Grund sieht die Pflegereform vor, fortan auch seelisch-geistige Beeinträchtigungen, wie sie bei Demenzkranken vorliegen, mitzuerfassen. Wie der Begriff der Pflegebedürftigkeit konkret aussehen wird, ließ Bundesgesundheitsminister Bahr allerdings weiter offen. Er deutete nur an, dass der Begriff flexibel sein soll. Gemeint ist, weg von der starren Minutenabrechnung hin zur Möglichkeit der häuslichen Pflege von Demenzkranken durch deren Familienangehörigen. Durch die Unterstützung pflegender Familienangehörigen soll die Anzahl der in Pflegeanstalten untergebrachten Demenzkranken reduziert und damit auch die dadurch entstandenen höheren Kosten eingespart werden.

Steigender Pflegeversicherungsbeitrag zur Kompensierung der Kosten
Um die Mehrkosten der Pflegekassen zu kompensieren, soll der Pflegeversicherungsbeitrag von derzeit 1,95% ab 2013 um 0,1% auf 2,05% steigen. So sollen Mehreinnahmen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro in die Kassen fließen. Doch wird dies nach Ansicht vieler Gesundheitsexperten wie dem SPD-Abgeordneten Prof. Lauterbach kaum reichen; er geht von Mehrkosten von etwa 3 Milliarden allein für die Unterstützung der häuslichen Betreuung von Demenzkranken aus.

Keine zusätzliche private Pflegeversicherung
Bahrs Leidenschaft, die Bundesbürger zu einer zusätzlichen privaten Pflegeversicherung zu verpflichten, scheiterte übrigens am Koalitionspartner, genauso wie die Pläne seines Vorgängers Rösler bei der Einführung einer Kopfpauschale für die Krankenversicherung. Die private Versicherungspflicht wird definitiv nicht kommen. Stattdessen soll mit Steuermitteln ein finanzieller Anreiz zum freiwilligen Abschluss einer privaten Pflegeversicherung geschafft werden. Was die Funktionäre der privaten Pflegeversicherung freuen wird, wird von der Opposition kritisiert, weil sie die bestehenden Probleme der steigenden Pflegeversicherungskosten nicht eindämmt, sondern lediglich subventionierte Mehreinnahmen der privaten Versicherer zur Folge hat.

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit schonmal einen kleinen Einblick geben. Weitere Infos zur Pflegereform wird es hier immer wieder geben.

26Oct/11

Pflegebranche im Umbruch? Was meint ihr?

Ich habe in einem früheren Artikel ja schonmal über das Thema Pflegenotstand in NRW berichtet. (Übrigens: In den Kommentaren wurde evtl. ein Job vermittelt, ich bleibe am Ball) Die Daten des Artikels hatte ich aus einer Studie der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung PricewaterhouseCoopers. Ich habe mir jetzt nochmal in Ruhe die Seite angeschaut, auf der PwC so viele (wie ich finde) interessante News und Studien rund um die Pflege- und Gesundheitsbranche zusammengestellt hat und möchte mal zwei Themen rund um die Pflegebranche im Umbruch zusammenstellen. Was haltet ihr von den jeweiligen Thesen bzw. Aussagen?

1.) Pflege-TÜV
Ihr werdet sicherlich auch schonmal darüber mehr oder weniger heftig diskutiert haben. Der Pflege-TÜV, der vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) durchgeführt wird. Im ersten Bericht wurde aufgeführt, dass die Zustände in deutschen Pflegeheimen zu fast 70 Prozent gut oder sogar sehr gut sind. Darüber ärgern sich so manche Kritiker und Pflegeexperten, denn die Benotung ist ja, sagen wir mal, etwas komisch. So kann zum Beispiel eine gute Note für jahreszeitliche Feste eine schlechte Note im Umgang mit Medikamenten ausgleichen. Das lässt man einfach mal so dahingestellt.

Derzeit sind mehr als 200 Klagen gegen die Benotung anhängig. Dies setzt natürlich auch das Gesundheitsministerium unter Druck und daher soll eine Schiedsstelle eingeführt werden. Die entsprechende Gesetzesänderung sollte mit dem Gesetz zur Krankenhaushygiene im März verabschiedet werden. Ich habe nun, aufgrund mangelnder persönlicher Erfahrungen, gegoogelt und keine aktuelle News dazu gefunden, ob das Schiedsgericht auch, wie geplant im Juli gestartet ist. Der Gesetzesentwurf wurde zwar im März vom Bundeskabinett gebilligt, aber wurde es auch eingeführt? Und ist das Schiedsgericht zum Pflege-TÜV immer noch enthalten? Ich würde mich über eine Info von euch freuen.

2.) Investitionsstau und Zusammenlegung von Pflegeheimen
Bei den Ärzten ist der Trend ja schon seit einigen Jahren ungebrochen – überall schießen die MVZs (medizinischen Versorgungszentren, auch Ärztehäuser genannt) aus dem Boden. Der Vorteil liegt in der kompakten Organisation, vielen Kostenersparnissen (beispielsweise können sich zwei Ärzte eine Sekretärin teilen. Bei Einzelpraxen ist dies natürlich nicht möglich) und auch einem besseren Service für die Patienten/ Kunden. Auch bei Pflegeheimen lässt sich allerdings beobachten, dass mehrere Häuser zusammengelegt werden. Dies geschieht allerdings nicht immer freiwillig, sondern einfach aus dem Grund, dass der Investitionskostenrückstau der vergangenen Jahre so langsam durchschlägt, weil Förderprogramme der Länder wegfallen.

Wie sieht es da bei euch aus? Seid ihr auch schonmal zusammengelegt worden? Und habt ihr auch einen Investitionsstau, weil mehr oder weniger dringende Korrekturen nicht vorgenommen wurden?

Viele Grüße,

euer Pflegeblogger

21Oct/11

Bürgerdialog “Hightech-Medizin” – Interview mit Staatssekretär Dr. Braun

Staatssekretär Dr. BraunVor ein paar Tagen fand sich eine interessante Mail in meinem Posteingang. Es ging um einen Bürgerdialog zum Thema „Hightech-Medizin“, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung durchgeführt wird und Anfang September neu gestartet ist. Bevor ich aber jetzt weiter darauf eingehe, lasse ich lieber Herrn Dr. Braun, Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung zur Sprache kommen. Er hat mir nämlich in einem kurzen schriftlichen Interview die Idee und Inhalte des Bürgerdialogs vorgestellt.

Sehr geehrter Herr Dr. Braun, ich muss gestehen, dass ich bisher von dem Bürgerdialog Ihres Ministeriums noch nichts gehört habe. Seit wann gibt es diese Form der Kommunikation und wie ist sie aufgebaut? Wer ist dafür im BMBF verantwortlich?

Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und die FDP vereinbart, einen Bürgerdialog zum gesellschaftlichen Umgang mit Zukunftstechnologien zu führen – unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der zuständigen Ministerin Prof. Dr. Annette Schavan. Der Bürgerdialog startete Anfang 2011, um Bürgerinnen und Bürger zu Ihren Einschätzungen und Meinungen zu befragen und ihnen die Chance zum Austausch mit Experten gehen.

Herzstück der Bürgerdialoge sind Bürgerkonferenzen in ganz Deutschland, bei denen rund 100 randomisiert ausgewählte Bürgerinnen und Bürger einen Tag lang über den Umgang mit Zukunftstechnologien des jeweiligen Themenfelds diskutieren.

Beim Bürgerdialog Energie geht es beispielsweise um die Frage, wie Energie in Zukunft erzeugt und gespeichert werden kann. Beim Bürgerdialog Hightech-Medizin wird diskutiert, welche Chancen Telemedizin birgt oder wie neuronale Implantate die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen lassen.

Ein Online-Dialog begleitet die Bürgerkonferenzen. Schließlich gehen die Ideen und Ergebnisse aus Konferenzen und Online-Diskussion in einen Bürgergipfel ein. Er ist der Höhepunkt des Prozesses, auf dem der finale Bürger-Report verabschiedet wird. Der Report enthält zwei Teile: zum einen spiegelt er Hoffnungen und Bedenken wider, die Bürgerinnen und Bürger bewegen, zum anderen spricht er ganz konkrete Empfehlungen aus, wie wir als Gesellschaft mit diesen neuen Technologien umgehen können. Die Bürgerinnen und Bürger übergeben beim Bürgergipfel ihren Report an die Bundesministerin Frau Prof. Dr. Schavan.

BürgerdialogGibt es Bürgerdialoge zu verschiedenen Themen und falls ja, zu welchen? Wo kann ich mich als interessierter Bürger dazu informieren?
Über den gesamten Prozess können Sie sich auf der Website http://www.buergerdialog-bmbf.de informieren. In diesem Jahr sind zwei Bürgerdialoge gestartet, zum Thema „Energietechnologien“ und zum Thema „Hightech-Medizin“. Weitere Dialoge werden folgen.

Konkret zum laufenden Bürgerdialog Hightech-Medizin: Zurzeit gibt es Bürgerkonferenzen an verschiedenen Orten in Deutschland. Ich selbst war Anfang September bei einer Bürgerkonferenz in Berlin und bin begeistert, wie vielfältig und intensiv über neuronale Implantate diskutiert wurde, also zum Beispiel über die Frage, ob Chips im Hirn bei Alzheimerpatienten helfen können. Begleitend zu den Konferenzen läuft der Online-Dialog, an dem Sie bis zum 11. November mitwirken können, unter: http://mitmachen.buergerdialog-bmbf.de/hightech-medizin/ Der abschließende Bürgergipfel findet am 3. und 4. Dezember 2011 statt.

Für meine Leser ist sicherlich der Bürgerdialog zum Thema Hightech-Medizin interessant. Worum geht es dabei genau?
Im Kern sagt schon der Untertitel des Bürgerdialogs viel über dessen Ziele aus: „Einblick gewinnen. Mitreden.“ Es geht darum, den Bürgerinnen und Bürgern neue Technologien näher zu bringen und sie über mögliche Anwendungen zu informieren.

Gleichzeitig möchten wir mit den Menschen diskutieren und sie konkret befragen: Wie möchten wir als Gesellschaft mit neuen Technologien in der Medizin umgehen? Welche Hoffnungen verbinden Sie zum Beispiel mit der Einführung der Telemedizin oder Neuronalen Implantaten? Welche Empfehlungen können Sie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit auf den Weg geben?

So bekommen das BMBF und andere am Bürgerdialog beteiligte Institutionen aus Wirtschaft und Gesellschaft, beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitstelematik, acatech und die Deutsche Epilepsievereinigung bessere Einblicke, welche Technologien die Menschen in diesem Land bereit sind, in ihrem Alltag anzuwenden und mitzutragen.

Vom 2.September bis gestern, 20. Oktober 2011, lief ja nun bereits die zweite Phase der Diskussion. Was beinhaltete eigentlich die erste Phase und wie bzw. wo konnte ich mich in der zweiten Phase des Bürgerdialogs Hightech-Medizin informieren und einbringen? Wie kann man das Projekt weiterhin verfolgen und sich beteiligen?

Die erste Phase des Online-Dialogs fand im März und April statt. In dieser ersten Phase fragten wir die Nutzerinnen und Nutzer ganz offen: „Welche Hoffnungen verbinden Sie mit neuen Medizintechnologien? Welche Bedenken haben Sie?“ Diese Ergebnisse haben wir ausgewertet und in einem Impulspapier zusammengestellt. Das Papier wiederum haben wir denjenigen als Vorbereitung mitgegeben, die zu einer Bürgerkonferenz kamen.

In der zweiten Phase wurden die Empfehlungen für den Bürgergipfel Anfang Dezember formuliert. Die Nutzerinnen und Nutzer diskutierten Thesen zu den drei Schwerpunktthemen „Neuronale Implantate“, „Telemedizin/-monitoring“ und „Intensiv- und Palliativmedizin“. Dabei ist es uns wichtig, nicht nur die Bewertung in Form „stimme zu“ – „stimme nicht zu“ aufzunehmen, vielmehr interessieren uns konkrete Ideen, Bewertungen und Vorschläge. Jetzt in der der dritten Phase können bis Mitte November konkrete Handlungsansätze bewertet werden, die aus dem laufenden Bürgerdialog heraus entwickelt worden sind.

Dies alles fließt in den Bürger-Report „Hightech-Medizin“ ein. Wir sind gespannt auf diesen Prozess. Daher meine Bitte an Ihre Leserinnen und Leser: Machen Sie mit - beteiligen Sie sich am Bürgerdialog!

Lieber Herr Dr. Braun, vielen Dank für Ihre informativen Antworten. Sicherlich wird der/die ein oder andere meiner Leser/innen beim Bürgerdialog mitmachen.

7Oct/11

NRW steuert auf Pflegenotstand zu.

pflegenotstandOkay, wir wissen ja alle, dass die Leistungen in der Pflege meistens gerade so auf Kante genäht sind. Der Pflegenotstand ist irgendwie immer allgegenwärtig und nicht zuletzt die Bundestagspetition zeigt, dass immer mehr Personen sich gegen die chronische Unterfinanzierung und Überarbeitung im Gesundheits- und vor allem Pflegewesen einsetzen.

Heute bin ich über eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gestolpert, die besagt, dass Nordrhein-Westfalen im Jahr 2030 über 87.000 Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen, davon allein 40.000 in der Pflege. Laut dem Autor der Studie, Michael Burkhart, ist das der höchste Wert aller deutschen Bundesländer. Hält man sich vor Augen, dass derzeit rund 2.600 Pfleger/innen in NRW fehlen, bedeutet dies bis zum Jahr 2030 eine Vervielfachung um 1.700 Prozent. Nicht schlecht für einen Zeitraum von 19 Jahren, oder? In dem Maße sollte mal mein Gehalt steigen.

Okay, zurück zum Thema. Wie kann man das Problem denn nun lösen? Burkhart rechnet in seiner Studie vor, dass es gelänge, den Notstand zumindest auf 9.000 fehlende Kräfte zu verringern, wenn man Pflegekräfte ein Jahr länger im Beruf halten könnte. Klingt eigentlich nach einer relativ einfachen Lösung im Vergleich zu einem höheren Rentenalter der Pflegekräfte oder einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit (fragt sich nur: noch mehr?).

Und was sagt die Politik in NRW dazu? Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens will dem Problem mit einer Ausbildungsumlage begegnen, gemäß dem Motto „Wer nicht ausbildet, zahlt“. Das bringt sicherlich Nachwuchs, aber wie dadurch die Arbeitnehmer länger im Beruf gehalten werden sollen, bleibt offen. Außerdem spricht sich Frau Steffens übrigens für eine Zusammenlegung der Kranken- und Altenpflege zu einem Beruf aus. Dann könnten Pfleger zwischen Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten wechseln.

Und noch eine Ergänzung: Nicht nur NRW ist schlecht für die Zukunft vorbereitet. Auch beispielsweise das Vorzeigeland Bayern wird Probleme in der Zukunft kriegen, wenn es sich nicht etwas Neues einfallen lässt, wie die Grafik von PwC zeigt:
Pflegenotstand Bayern

Ich weiß, dass ihr ja auch von den Problemen in der Pflege betroffen seid. Was sagt ihr dazu? Und habt ihr andere Lösungsansätze?

25Aug/11

Zahnzusatzversicherungen – Nachgedacht aufgrund Werbespot

ZahnzusatzBevor ich im nächsten Post auf das vielfach angekündigte Interview mit Frau Beikirch, der Ombudsfrau des Gesundheitsministeriums, eingehe, bringe ich vorher noch ein paar Gedanken zum Thema Zahnzusatzversicherungen aufs Papier. Sicherlich habt ihr ja auch im Fernsehen diese etwas abstruse Werbung einer Versicherung gesehen, die damit wirbt, das man eine Zahnzusatzversicherung abschließen kann, „wenn es eigentlich schon zu spät ist“, um mal die Werbung zu zitieren. Wer den Spot noch nicht kennt:

Erinnert mich irgendwie ein wenig an die grandiosen Szenen bei James Bond, wenn Q die neuesten Erfindungen vorführt. Ist bei James Bond allerdings lustiger, oder?

Na ja, zurück zum Thema. Wieso braucht man eigentlich eine Zahnzusatzversicherung? Wer nicht das Glück hat und privat versichert ist (wobei das ja manchmal auch Pech sein kann, man denke an die steigenden Kosten im Alter, wo dann ein stattlicher Teil der Rente für die PKV draufgeht), der hat beim Zahnarztbesuch oftmals doppelten Grund für Schmerzen. Die Leistungskataloge der Krankenversicherungen werden ja immer mehr zusammengestrichen und dementsprechend immer weniger Kosten übernommen. Gesetzlich Versicherte können sich daher so manche „Nicht-1000%ig-notwendige-Behandlung“ nicht leisten. Hier springt dann die Zahnzusatzversicherung ein. Diese private „Nebenversicherung“ schließt man zusätzlich zu seiner normalen Krankenversicherung ab und zahlt monatlich einen meist mittleren zweistelligen Betrag. Dies lohnt sich dann, wenn man eine aufwendige Behandlung beim Zahnarzt hat. Denn durch die Zusatzversicherung kommt man in den Genuss von kompletter Kostenübernahme für hochwertige und moderne Behandlungsmethoden, wie Inlays oder Keramikzahnersatz.

Ob solch eine zusätzlich Absicherung und die dadurch entstehenden Kosten nun sinnvoll sind, muss jedermann/ jedefrau selbst entscheiden. Und oftmals liegt ja genau die Krux im eigenen Mund: Hat man ohnehin gute und stabile Beißerchen, kann man sich die Kosten fast sparen. Hat man anfällige Zähne, wäre eine solche Versicherung sinnvoll. Aufgrund der wahrscheinlich aber bereits vorliegenden öfteren Behandlungen steigen aber natürlich die Kosten. Also: Ausführlich informieren und gut vergleichen!

16Mar/11

Geschafft: (virtuelle) Weltumrundung!

78.893 geschaffte Kilometer und mehr als 8.000 Einträge: Am 14. Juli 2010 startete der virtuelle "Spaziergang" um die Welt - Von Europa über Amerika, Afrika, Australien und Asien bis zurück nach Deutschland. Alle Mitglieder der Bewegungs-Community myFitbook.de trugen mit unterschiedlichsten Sportarten zur online Reise bei: Jogger wie Radfahrer, Fußballer wie Tänzer, Basketballer wie Tennisspieler und viele mehr.

Bewegung hilft Selbstvertrauen zu gewinnen und fördert die Sozialkompetenz. Gleichzeitig unterstützt sie die Aufnahmefähigkeit des Gehirns - und verbessert so die Lernfähigkeit!

Daniel Nuding, Autor des Bewegungs-Blogs auf myFitbook.de

Viel gelernt und ordentlich geschwitzt haben auch die Schüler des Bühler Windeck-Gymnasiums - Wer sich noch erinnern kann, weiß, dass die rund 90 Schüler einen Sport-Erlebnistag mit dem dreifachen deutschen Breakdance-Meister - Amir El-Kourdi - verbringen durften.

Etappenweise wurden alle Mitglieder der myFitbook-Community mit interessanten Informationen und Tipps über die jeweiligen virtuell erreichten Ländern versorgt. So machen Bildung und Bewegung Spaß - Erdkunde-Unterricht mal anders ;) Thomas Grötzinger von der Schwnninger Krankenkasse freut sich über den ersten großen Erfolg der Community und versichert, dass eine weitere myFitbook-Weltreise folgen wird...

28Feb/11

Fair Care – “Faire” Pflege

Ein gestriger Gedankenblitz, der mich spontan getroffen hatte, ließ meine Gedanken kreisen, eine Art "Arbeitskreis" oder doch eher ene Community zusammen-zuschließen, wie (faire) Pflege wirklich aussehen sollte. Gemeint sind soweit alle Bereiche der Pflege und vor allem ein Konzept, wie man an neue Pflegekräfte kommen kann, ohne diese nach nur kurzer Zeit zu vergraulen und ohne bereits tätige Pflegekräfte zu "beleidigen". Einige der aktuellen Aussagen unserer Politiker waren ziemlich daneben...

Nicht nur, dass unzählige Hartz4-Empfänger in die Pflege sollten, es war auch die Rede davon, dass Pflegehelfer nach "nur" 10 jähriger Praxiserfahrung auf dem Stand einer examinierten Pflegekraft wären (Learning by doing).

Was ich in unserer Politik, aber auch in unserer Gesellschaft vermisse ist, dass zu wenig "miteinander" gearbeitet wird. Wer könnte denn ein besseres Konzept auf die Beine stellen als die, die tag-täglich mit allem konfrontiert werden? Mein konkreter Gedanke also: Eine  Gemeinschaft, wo man sich über die aktuelle Pflegesituation austauscht. In Xing und Co. habe ich div. Kontakte, welche Coaching für Pflegedienstleister anbieten, lange Jahre in der Pflege tätig sind, frisch und erfolgreich ihre Ausbildung beendet haben sowie kreative Köpfe.

Vielleicht ar mein Twitter-Aufruf ein wenig zu hochgestochen, aber ließe sich gemeinsam nicht mehr bewegen als alleine...?

Es gibt unzählige Standards für grundpflegerische und administrative Tätigkeiten in der Pflege. Expertenstandards für Sturz, Dekubitus, Ernährung und Co. Ich vermisse hingegen eine Leitlinie für faire und "menschliche" Pflege für (bestehende und zukünftige) Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sollte es solche Gedanken schon geben, lasse ich mich (sehr) gerne eines besseren belehren...

Ich bin leider kein Konzeptschreiber, daher nur ein mikriger Blogartikel. Könner können gerne mehr daraus machen!

25Feb/11

Tinnitus bald heilbar?!

US-Forscher haben nach aktuellen Forschungsergebnissen eine Methode entdeckt, wie man Tinnitus heilen könnte.
Im Labor wurden keine Ratten-Ohren untersucht, sondern Gehirne. Das mag im Moment etwas ekelig klingen, aber doch Hoffnungsvoll. Ratten welche unter einem Tinnitus litten seien jetzt geheilt.

Die Forscher spielten den Ratten Töne im Bereich der Störfrequenz vor, während sie gleichzeitig Ihren Vagusnerv, der unter anderem für verschiedene Sinnesreize zuständig ist, mit einer Elektrode stimulierten. Nach dieser Art "Behandlung", waren die Ratten geheilt.

Studien an (freiwilligen) Menschen sollen schon bald beginnen...