5Jul/12

Serie „Einblicke in die Pflege“: Die Pflegedienstleitung einer Seniorenresidenz

InterviewLeider habe ich meine Serie „Einblicke in die Pflege“ längere Zeit etwas vernachlässigt, aber nun ist die Zeit gekommen, sie wieder aufleben zu lassen. Dafür habe ich Monika Beck, Pflegedienstleiterin (PDL) der SENATOR Seniorenresidenz Groß Flottbek, über Xing angeschrieben und um ein Interview gebeten. Und sie war so nett und hat sich trotz ihres stressigen Terminplans die Zeit genommen, damit ich euch einen Blick hinter die Kulissen präsentieren kann.

Liebe Frau Beck, vielen Dank, dass Sie einige Fragen zu Ihrer Tätigkeit als Pflegedienstleiterin einer Seniorenresidenz beantworten. Sie sind ja schon seit einigen Jahren in der Pflegebranche aktiv - wie kamen Sie dazu, einen Job in diesem Bereich aufzunehmen?

Mein Weg war nicht immer gradlinig und ich habe einen zukunftssicheren, abwechslungsreichen, aber auch einen anspruchsvollen Beruf mit Weiterbildungsmöglichkeiten gesucht, da mir auch die Arbeit mit dem Menschen, besonders die Seniorenarbeit Freude macht und ich viel Dankbarkeit zurückbekomme.

Die Aussage, dass man „Dankbarkeit erhält“, habe ich schon öfter aus Bereichen wie der Altenpflege gehört. Sicherlich ist es in dem stressigen Alltag der Pflege eine tolle Rückmeldung, wenn die Senioren bei Ihnen nochmal „aufblühen“, oder? Was macht die Arbeit mit Senioren jeglicher Pflegestufen noch aus?

Ich freue mich sehr, wenn unsere Senioren mir Rückmeldung geben, sich geborgen fühlen und ich ein Lächeln zurückbekomme. Wir arbeiten in der Altenpflege mit ausgebildeten Ergotherapeuten zusammen, die unseren Bewohnern viel Herzenswärme geben. Nach einem gemeinsamen Frühstück wie zu Hause werden abwechslungsreiche Angebote gemacht, um das, was noch an kognitiven Fähigkeiten vorhanden ist, zu fördern. Wir legen viel Wert auf Bewegung mit Musik, um die geistige und körperliche Mobilität zu fördern und haben sogar einen eigenen Chor. Alle vierzehn Tage haben wir einen stimmungsvollen Tanznachmittag. Auch unsere Angehörigen freuen sich immer darauf und sind aktiv dabei.

Kommen wir zu Ihrer derzeitigen Tätigkeit, der Pflegedienstleitung der SENATOR Seniorenresidenz Groß Flottbek in Hamburg. Wofür sind Sie dort verantwortlich und welche spannenden - und vielleicht auch nicht so spannenden - Aufgaben bringt diese Position mit sich?

Meine Aufgaben als Pflegedienstleitung sind sehr vielseitig und bestehen aus der Personalplanung und Koordination. Außerdem bin ich verantwortlich für das Personal, die Einstellung von Personal, Personalbedarfsplanung bis hin zur Personalförderung. In meine Zuständigkeit fallen auch die Erstellung von Dienstplänen und Dienstanweisungen bzw. Dienstanordnungen.

Zu meinen weiteren Aufgabengebiet gehört auch die Analyse der Dokumentationen, Überprüfung der Pflegestandards, Pflegevisiten, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung in der Pflege. Des weiteren bin ich für einen ordnungsgemäßen und wirtschaftlichen Betriebsablauf durch ein effizientes Controlling zuständig.

In der Gruppe „Pflegeprofis“ bei Xing unterhalten sich die Mitglieder über das sehr anstrengende Berufsleben von PDLs, also der Pflegedienstleitung. Dort ist die Rede von 60-70 Arbeitsstunden pro Woche, einem ständigen Erreichbar-sein müssen und Burnout bei vielen Pflegedienstleistern. Können Sie diese Erfahrungen teilen? Wie regeln Sie die Arbeitszeiten in der Seniorenresidenz?

Ich denke, das eine gute Organisation bzw. ein gut strukturiertes Zeitmanagement das Entscheidende ist. Sicher gibt es Tage, da läuft nicht immer alles so wie es meine Planung vorgesehen hat. Ich nutze den Outlook Terminkalender für meine eigene Planung und halte mir ein bis zwei Stunden für außerplanmäßige Aufgaben frei. Terminierte und detaillierte Aufgaben, versuche ich in die Morgenstunden zu legen, da die Konzentration zu diesem Zeitpunkt noch am besten ist.

Ich achte darauf meinen Zeitplan einzuhalten und halte die Mehrstunden reduziert durch effektive - effiziente Arbeitsorganisation. Sinnvoll und motivierend für das Mitarbeiterteam ist es auch, Aufgaben zu delegieren.

Nach Dienstende ist es auch ganz besonders wichtig abzuschalten. Ich habe mir einen aktiven und strukturierten Freizeitplan geschaffen, den ich auch strikt einhalte mit Ausnahmen von betrieblichen Erfordernissen. Ich bin Mitglied „Freunde der Kunsthalle e.V.“ und nehme oft zweimal wöchentlich an Vorträgen, Vernissagen teil, gehe gern zu klassischen Konzerten, mache Sport, versuche mich ausgewogen zu ernähren und pflege mein soziales Umfeld. Ich schaffe mir so eine gute Balance im Leben, schöpfe Kraft, Motivation für nachhaltige Veränderungen im Job und ein positives Lebensgefühl. Nur wer neue Energie schöpft kann auch Leistung erbringen.

Wenn junge Leute, die vor der Berufswahl stehen, Sie fragen würden, ob sie sich für einen Beruf im Pflege-/ Gesundheitswesen entscheiden sollen – was würden Sie ihnen raten? Und würden Sie den gleichen Rat reiferen Personen geben, die sich nach einer neuen Aufgabe umsehen?

Es ist wichtig herauszufinden, was einen interessiert, wie die Motivation ist und wofür das Herz schlägt. Wer sich für einen Beruf im Pflege-/ Gesundheitswesen entscheidet, sollte Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Da in dem Berufsbereich viel Bewegung und körperlicher Einsatz beim Heben,Tragen und Lagern vonnöten ist, ist physische Belastbarkeit eine wichtige Voraussetzung.

Positiv kann ich erwähnen, das es ein Beruf mit großen Zukunftsperspektiven ist, da die Bevölkerung immer älter wird, wir demzufolge einen Pflegebedarf an qualifizierten Fachkräften die folgenden Jahren haben werden. Es gibt viele Aufstiegsmöglichkeiten (z. B. Wohnbereichsleitung, Pflegedienstleitung, Einrichtungsleitung) und Erfolg versprechende Karrierechancen für motivierte Pflegekräfte.

Eine Möglichkeit zur Feststellung der Eignung wäre, vor Beginn der Ausbildung ein mehrwöchiges Praktikum zu planen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass auch die Kommunikationsbereitschaft ein wichtiges Kriterium ist, da ein enger Kontakt zu den Bewohnern, Angehörigen und Kooperationspartnern erforderlich ist. Diesen Rat würde ich sowohl Berufseinsteigern als auch Umschülern mitgeben.

Sie können auf viele Jahre Berufserfahrung in der Pflege zurückblicken. Welche Eigenschaften sollte man ansonsten unbedingt mitbringen, um Spaß am Job zu haben?

Physische sowie psychische Eigenschaften, ja und ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Empathie, aber auch die Freude an der Arbeit mit dem älteren Menschen. In dem Beruf wird man mit schweren Erkrankungen, sowie dem Tod konfrontiert, daher ist eine psychische Belastung sehr von Bedeutung. Unter anderem sollte man Verantwortungsbewusstsein im Beruf auch im Umgang mit der Behandlungspflege, Interesse an Krankheits- und Medikamentenlehre mitbringen. Die Pflege ist ein ständiger Veränderungsprozess, daher ist die Bereitschaft und das Interesse zur Fort- und Weiterbildung notwendig.

Da in dem Berufszweig Schichtdienste erforderlich sind und bei Personalengpässen auch die Bereitschaft zum „Einspringen“ gegeben sein muss, ist Flexibilität eine Voraussetzung.
Auch würde ich sagen, dass man Attribute wie Fleiß, Zielstrebigkeit mitbringen sollte, sowie Konsequenz um Ziele durchzusetzen, aber auch die Bereitschaft neue Wege zu gehen und neue Dinge umzusetzen. Außerordentlich wichtig ist, Interesse und Begeisterung am Beruf, Engagement und vor allem mit dem Herzen dabei zu sein.

Werden wir zum Schluss kurz politisch: Was ist Ihre Meinung zur momentanen Situation in der Pflege? Was hat sich in den letzten Jahren geändert und was müsste sich eventuell in Zukunft ändern? Wo gibt es Schwachstellen und was hat sich verbessert?

In den letzten Jahren haben sich schwerpunktmäßig die administrativen Aufgaben, sowie das gesamte Dokumentationswesen entscheidend verändert.
Die körperlich schweren Anforderungen der Arbeit unter anderem der zeitliche Leistungsdruck bei der Vielseitigkeit der wachsenden Aufgaben, auch zu erwähnen das Bewusstsein über die Kosten sind gestiegen. Das ganze wirkt sich auf die Qualität in der Versorgung aus, denn die pflegebedürftigen Menschen brauchen eine individuelle,humane und liebevolle Pflege.

Für die Zukunft müssten sich zwingend die Rahmenbedingungen in der Pflege verändern, d. h. bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und die Qualifikation von Personal.
Die Veränderung der Arbeitszeiten, d. h. Schichtdienste ohne Pausen, daraus resultierend ein hoher Krankenstand, Überbelastung durch Personalmangel müssen neu überdacht werden.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss ermöglicht werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kundenorientierung da sich das Bewohnerklientel die letzten Jahre verändert hat. An dieser Stelle möchte ich auch die demographische Entwicklung erwähnen und dass der Bedarf an Pflege die kommenden Jahre steigt.

Liebe Frau Beck, vielen Dank für die vielen Antworten. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem privaten und beruflichen Weg.

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